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Zhen Jiu -

Chinesische Akupunktur



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Die bei uns im Westen bekannteste Heilmethode der traditionellen chinesischen Medizin ist sicherlich die Akupunktur. Das Wort Akupunktur leitet sich aus dem Lateinischen acus = Nadel und pungere = stechen ab. Die chinesische Bezeichnung ist Zhen Jiu, was so viel bedeutet wie "stechen" und "brennen". Durch diesen Ausdruck wird auch gleich der tiefe Zusammenhang zwischen der Akupunktur und der Moxibustion gezeigt.

Geschichte
Gegen Ende der Steinzeit wurden die ersten Behandlungen angewandt, welche man als frühzeitliche Akupunktur bezeichnen könnte. Man verwendete Nadeln aus Stein, Bambus und Knochen, um an gewissen Körperstellen eine Manipulation durchzuführen. Wie weit es sich aber um ein eigentliches Punktieren der Haut und der darunter liegenden Körperstrukturen handelte, ist nicht genau bekannt. Auch die Behandlung, welche dem Prinzip der Moxibustion entspricht, also einer Wärmebehandlung, ist nicht vollständig bekannt. Klar ist aber, dass nach der Entdeckung des Feuers und dessen Verwendung der Gebrauch von Wärme als Linderungs- und Heilungsmethode eingesetzt wurde. Erst ab dem Zeitalter, als man Bronze und Metalle verarbeiten konnte, erlebte die Akupunktur den ersten großen Aufschwung. Im Klassiker des gelben Kaisers, dem bekanntesten Grundlagenbuch der TCM, wurde schon früh der Gebrauch von Akupunktur vermerkt. Zur Zeit der östlichen Han-Dynastie, in der der berühmte Arzt Hua Tuo lebte, waren zwar erst sehr wenige Punkte bekannt, dafür legte man das Augenmerk auf das Ausarbeiten von verschiedenen Nadeltechniken und ihrer Wirkungen. Die Jin-Dynastie erlebte die erste wirkliche Blütezeit. Der legendäre Arzt Huangfu Mi beschrieb in seinem Buch "klassische Akupunktur und Moxibustion" 349 Akupunkturpunkte mit deren Lokalisation, Anwendung und Kombinations-Möglichkeiten. Der Gebrauch der Ashi Punkte (Schmerzpunkte) als Behandlungsprinzip erfolgte in der Zeit der späten Sui und frühen Tang Dynastie. In der Song-Dynastie wurden die ersten Bronzemodelle mit eingearbeitetem Verlauf der Meridiane und deren Punkte hergestellt. Der nächste Meilenstein folgte in der Ming Dynastie. Yang Jizhou beschrieb nicht nur die bis dahin bekannten 14 Meridiane, sondern auch die restlichen Energieleitbahnen mit exakter Indikation. Obwohl man in der darauf folgenden Dynastie der Qing darauf verzichtete, den Kaiser mit Akupunktur zu behandeln, was mehr Kulturelle als medizinische Gründe hatte, war der Gebrauch der Akupunktur in der Bevölkerung nicht mehr wegzudenken. Zudem war die Akupunktur schon weit in Asien verbreitet und fand bereits den Weg nach Europa. Nach der Gründung der Volksrepublik China wurde die Theorie der Akupunktur und deren Wirkung auch wissenschaftlich erforscht. Besonders in den Bereichen der Anästhesie und der Schmerzbekämpfung wurde vieles entdeckt, was wiederum auch das Interesse des Westens weckte. Ab den fünfziger Jahren fanden vermehrt westliche Ärzte den Weg nach China und ein reger Austausch begann.

Wirkungsweise
Doch wie funktioniert die Akupunktur? Es gibt zwei Erklärungen: die wissenschaftlichen Erforschungen und die alten TCM-Theorien. Aus schulmedizinischer Sicht werden durch die Einstiche der Nadeln afferente Nervenzellen stimuliert. Dies wird sichtbar durch das Auslösen des De Qi-Gefühl. Diese entstandenen Impulse werden zum Rückenmark geleitet und von da weiter zum Thalamus (Anteil des Zwischenhirns) und zur Hirnrinde geführt. Zusätzlich können durch Nadelmanipulationen im Rückenmark auch Enkephaline (körpereigene Opiate) freigesetzt werden, was wiederum das Funktionieren der Akupunktur zur Schmerzbekämpfung erklärt. Anatomisch gesehen konnte bis heute nur eine Änderung der Gewebsstruktur im Bereich der Akupunkturpunkte nachgewiesen werden. Bei den Leitbahnen ist solch eine Erklärung in Bezug auf spezielle Gewebsstrukturen noch nicht erbracht. Die Wirksamkeit oder das Vorhandensein der Leitbahnen konnte aber durch verschiedene Tests nachgewiesen werden. Der Bekannteste ist sicherlich, der, als französische Wissenschaftler radioaktives Material in die Anfangspunkte der Leitbahnen injizierten und auch noch nach Stunden die Verläufe der Meridiane mit einer Gammakamera sichtbar waren.

Die TCM-Theorien hingegen, welche auf den Prinzipien der Naturgesetze aufgebaut sind, sehen diese Vorgänge als ganzheitliches Zusammenspiel zwischen uns Menschen und dem Universum (Mikro-Makrokosmos). Auch die Akupunktur benutzt diese Theorien. Einfach gesagt wird in der TCM immer versucht, das Gleichgewicht von Yin und Yang wieder in Ordnung zu bringen.

Wo etwas zuviel ist, nimm etwas weg und bringe es zum Ort, wo ein Mangel herrscht. Dieser Ausgleich ist aber nicht immer auf das ganze System bezogen. Im Körper gibt es viele Yin und Yang Verbindungen. Dies kann sein: Disharmonie zwischen Yin Yang, den einzelnen Organen nach der Theorie der 5 Elemente, Disharmonien in den Meridianen wie oben - unten, innen - außen, links - rechts, ...., Disharmonien zwischen Blut (Xue) und Energie (Qi), ein Ungleichgewicht zwischen...! Das Benennen und Diagnostizieren von Störungen (Krankheiten) wurde anhand dieser alten Systeme beschrieben, meist in einer poetischen Form. So fällt auf, dass im Vergleich zur Schulmedizin, diese Bezeichnungen ganz unterschiedlich und teilweise eigenartig erscheinen. Man spricht in der TCM meist von Disharmoniemuster der Zang/Fu Organe oder anderer Systeme. Es ergeben sich dann Krankheitsbezeichnungen wie: aufsteigendes Yang der Leber, Qi Mangel der Milz, Jing Leere der Nieren, Blut Leere des Herzens, Kälte im Uterus, Feuchte/Hitze in der Gallenblase.

Indikation
Im Gegensatz zur schulmedizinischen Terminologie der Krankheiten kann in der TCM die Bezeichnung der gleichen Krankheit oder deren Symptome eine andere Namensgebung haben. Der Tinnitus (Ohrgeräusche/Rauschen) als Beispiel kann nach der TCM auch verschiedene Auslöser haben wie bei der Schulmedizin. In der TCM wird aber dann gemäß dem Auslöser das Disharmoniemuster benannt. Dies kann in dem Fall ein Nieren-Mangel, eine Leber Qi Stagnation, aufsteigendes Leber Yang, ein Milz Qi/Yang Mangel, eine Blut- Leere, ...sein. Was kann aber mit der Akupunktur behandelt werden? In der Theorie der TCM ist grundsätzlich bei allen Krankheiten eine Linderung oder Heilung möglich. In der Praxis wird dies auch so gehalten. Falls die Krankheit nicht direkt durch die Akupunktur behandelt werden kann, wird vielfach eine Stärkungstherapie für den Patienten benutzt. Gute Erfolge sind vor allem bei Störungen in den Bereichen des Bewegungsapparates, Sinnesorgane, Verdauungsapparat, Gynäkologie, Urogenitaltrakt, .... zu erreichen.

Kontraindikation und Nebenwirkungen
Lebensbedrohliche Situationen wie allergische Ödeme, hypertonische Krisen, Status asthmaticus, Gefäß-Verschlüsse,.... gehören nicht in die Hände der Akupunktur. Notfallsituationen oder gefährliche Krankheiten müssen schulmedizinisch behandelt werden. Des Weiteren werden Patienten mit Blut verdünnenden Medikamenten oder mit Erkrankungen der Blutgerinnung nicht behandelt. Ebenso werden keine Nadeln in Wunden, Narben oder Ekzeme gestochen. Bei schwangeren Frauen werden grundsätzlich keine Punkte in der Bauchregion und im unteren Rücken genadelt. Zu dem gibt es verbotene Punkte, welche eine starke, ableitende Wirkung haben wie z. B. Di4, Mi6, Bl60, Bl67, ... Diese könnten zu einem Abort führen.

Komplikationen
Die Komplikationen der Akupunktur sind relativ klein. Beachtet man die einschlägigen Richtlinien, sind Vorfälle sehr selten. Personen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss, im Hungerzustand oder nach einem großen Mahl, alte und geschwächte Personen oder Kranke mit Fieber werden nicht genadelt, da dies zu einem Nadelkollaps führen kann. Auch sollten Patienten immer im Liegen behandelt werden, da dies den Kreislauf besser stabilisiert. Andere Komplikationen, wie das Verletzen von Organen, großer Blutgefäße, sowie das Hervorrufen von Hautinfektionen, können vermieden werden durch die richtige Lokalisation, korrekte Nadeltechnik und den Gebrauch von sterilem Nadelmaterial.

Behandlungsablauf
Vor jeder Behandlung muss eine gründliche Diagnose vorliegen. Man sollte, wie in China auch, am Anfang eine schulmedizinische Untersuchung machen, bevor man sich ganz der TCM- Diagnose widmet. Es gibt verschiedene Krankheiten, welche nicht mit der TCM behandelt werden dürfen. In der TCM verwendet man die klassischen vier Untersuchungsmethoden:

- Befragen
Anamnese (Krankengeschichte und Symptome)

- Fühlen
Pulsdiagnose (aber auch Gewebe-, Punkte-, Meridianuntersuchung, ...)

- Sehen
Zungendiagnose (aber auch sichtbare Veränderungen der Haut, Gesicht,...)

- Riechen/Hören
Geruch des Patienten und dessen Ausscheidungen, Veränderungen der Stimme, Klang des Husten und der Atmung, ....

Eine endgültige Diagnose kann nur bei einem kompletten Bild erstellt werden. Stimmt bei einem Muster das Zungen- oder Pulsbild nicht überein, dann ist das Bild falsch oder verfälscht. Ist eine TCM- Diagnose erstellt worden, arbeitet der Therapeut das Behandlungskonzept aus. Bei Patienten mit absoluter Nadelangst müssen alternative TCM Methoden ins Auge gefasst werden, wie z. B. die Tui Na. Bei der Akupunktur liegt der Patient auf der Liege und nimmt die Position ein, welche der Therapeut zum korrekten Nadeln benötigt. Die Auswahl der Punkte richtet sich nach dem vorliegenden Krankheitsmuster. Auch die Anzahl der Nadeln richtet sich nach dem vorliegenden Muster oder den Überlegungen des Therapeuten. Normalerweise verwendet man nicht mehr als 12-18 Nadeln. Der Akupunkteur desinfiziert seine Hände und legt das sterile Nadelmaterial und Mittel zur Hautdesinfektion bereit. Nun sticht der Akupunkteur die Nadeln mit einer schnellen Flickbewegung durch die Hautschichten. Danach werden die Nadeln mit der richtigen Manipulation in die korrekte Tiefe gebracht.

Wichtig ist das Auslösen des De Qi. Man spricht vom Ankommen des Qi an die Nadel. Das Gefühl, dass der Akupunkteur beim Finden der richtigen Stichtiefe empfindet, ist wie das Gefühl, wenn beim Angeln der Fisch an den Haken beißt.

Durch das Bewegen der Nadel verspürt der Patient ein Ziehen, Ausstrahlen oder ein dumpfes Gefühl entlang des Meridians. Von Vorteil ist, wenn der Therapeut die Nadeln in kürzester Zeit in die Punkte einbringt und nicht unnötig lange Zeit braucht, um die Punkte zu suchen und zu lokalisieren. Die Nadeln verweilen zwischen 10-30 Minuten im Körper. Während dieser Zeit wird zwei- dreimal die Nadel mit einer Drehbewegung aktiviert, um den Energiefluss zu erhalten. Während die Nadeln im Körper verweilen, können andere Methoden angewandt werden wie das Moxen oder die Stimulation mit Elektroströmen. Das Herausnehmen der Nadeln erfolgt ähnlich dem Einbringen. Die Reihenfolge und die Technik sind wieder vom vorherrschenden Muster abhängig. Bei sedativen Techniken (ableitende Wirkung) werden die gestochenen Punkte teilweise extra offen gehalten oder zum Bluten gebracht. Bei tonisierender Manipulation (aufbauende Wirkung) wird beim Herausziehen der Nadel der Punkt sofort mit dem Finger zugedeckt, damit keine unnötige Energie entfliehen kann. Falls die Behandlung es erfordert, kann nach dem Nadeln das betroffene Körperareal geschröpft werden. Jedenfalls sollte der Patient noch ein paar Minuten liegen bleiben, damit sich der Kreislauf wieder stabilisieren kann. Die Häufigkeit und die Dauer der Behandlungen richten sich nach der vorliegenden Störung. Akute Disharmonien erfordern ein mehrmaliges Stechen in der Woche, teilweise sogar mehrmals täglich. Chronische Störungen hingegen werden normalerweise einmal die Woche genadelt, was sich über Monate ziehen kann. Ein Behandlungszyklus dauert in der Regel 10-15 Behandlungen, danach wird vielfach eine Pause eingelegt, bevor ein neuer Zyklus anfängt. Ob die Akupunktur auch den gewünschten Langzeiterfolg bringt, hängt auch vom Patienten selbst ab. Sind bestimmte Lebensumstände oder Ernährungsfehler der Auslöser der Störung gewesen, so müssen diese zuerst beseitigt werden. Die Akupunktur ist eine sehr ausgereifte Heilmethode mit einer langen Tradition, doch auch sie hat ihre Grenzen.

© Reto Turnell
www.chinamedizin.net



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