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Geheimbünde

in China



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Praktisch alle berühmten chinesischen Geheimorganisationen begannen als Bruderschaft, gegründet um der Selbsthilfe willen und der gegenseitigen Hilfe willen, um die Notlagen der einzelnen einfachen Menschen zu verbessern. Sie alle verschworen sich einem Moralkodex, der erheblich stärker war, als der der kaiserlichen Familien und der herrschenden Bürokraten. Zielen wie Ehre, Integrität, kindlicher Frömmigkeit und humanitärer Hilfe anderen gegenüber, verschworen sie sich, oft auch mit einem Bluteid.

Ursprünglich wurden diese Gesellschaften offen gegründet und man nahm offen an diesen teil. Unstabilitäten in der Ming- und Qing-Dynastie brachten aber viele Organisationen dazu, eine politische Natur zu entwickeln. Als die Korruption der Regierung zunahm, nahmen auch die politischen Forderungen und Ansprüche dieser Gesellschaften zu. Sie waren gegen überhöhte Steuern und bürokratische Verordnungen. Die Qing-Dynastie mit ihren Verfolgungen brachte die meisten Gesellschaften schließlich dazu, Verschwiegenheit in ihren Reihen auszuüben und militärische Aktionen in Form von Rebellionen durchzuführen. Erst im späten 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert kam ein krimineller Teil bei einigen Gesellschaften beeinflussend dazu und drängte sie zu eher Verbotenem als humanitärem Streben.

Die Mehrheit dieser Gesellschaften verlangte Gelöbnisse von ihren Mitgliedern, die von Experten in 6 Kategorien eingeteilt wurden:

Bruderschaft, Loyalität, Rechtschaffenheit, Humanität, Nationalismus, Verschwiegenheit

Nur die Letzten 2 beziehen sich direkt auf den Sturz der Qing-Dynastie.

Heute kann man die Geheimbünde in 3 Gruppen einteilen, die aus dem gemeinsamen historischen Hintergrund entstanden. Als Erstes politische Gesellschaften, von denen viele immer noch auf und außerhalb des Festlandes China aktiv sind. Wegen der politischen Unterdrückung haben sie immer noch ihre geheime Natur bewahrt. Einige Beispiele der heutigen politischen Gesellschaften mit Wurzeln, die mehr als 300 Jahre zurückreichen, sind die Hung Muhn und Qing Bang Gesellschaften, welche beide noch sehr aktiv sind in Taiwan. Laut Forschern und Regierungsautoritäten gibt es keinen Beweis dafür, dass eine dieser Gesellschaften in kriminelle Aktivitäten involviert ist. In historischer Hinsicht war Dr. Sun Yat Sen, der Gründungsvater der heutigen Republik von China und dem man den finalen Sturz der Qing- Dynastie zuschreibt, selbst ein Führer einer Geheimgesellschaft. Folgt man derselben historischen Ader, stellt man fest, dass Shang Kai Shek, der erste Präsident der Republik von China, ebenfalls Führer eines Geheimbundes war. Die meisten politischen Experten stimmen heute überein, dass Shek seine erfolgreiche Wahl für die Präsidentschaft der politischen Unterstützung der Hung Muhn Gesellschaft verdankt. Auch im 21. Jahrhundert schätzt man die Zahl der aktiven Mitglieder der Hung Muhn Gesellschaft auf über 100.000, darunter Geschäftsleute, Militärangehörige und Geheimdienstler. Eine erhebliche Zahl der Hung Muhn Führer sind im Ruhestand befindliche Generäle. Viele Experten glauben, dass die Hung Muhn Führer die Qing Bang Gesellschaft im 17. Jahrhundert aus verwandten politischen und brüderschaftlichen Gründen ins Leben riefen.

Diese Betonung auf Bruderschaft ist immer noch gut erkennbar in den Aufnahmeriten der Hung Muhn. Der Text verpflichtet Mitglieder "den Himmel als unseren Vater und die Erde als unsere Mutter zu verehren", um dadurch zu betonen, dass deshalb alle Männer Brüder sind, unabhängig von Familiennamen und Herkunft. Dieselbe Betonung auf die Bruderschaft kann man auch in den chinesischen klassischen Literaturwerken finden, z. B. in "Die Romantik der 3 Königreiche" und in "Alle Männer sind Brüder". In Ersterem wird die brüderliche Bindung wesentlich mehr verehrt als die eheliche Bindung. Der Held des Buches äußert einen Satz, der in der chinesischen Literatur berühmt ist: "Brüder sind wie die eigenen Glieder, aber Frauen sind wie die eigenen Kleider".

Die zweite der drei Klassifizierungen der Geheimgesellschaften nachkommen in der heutigen Zeit sind die kriminellen Organisationen (oft falsch bezeichnet als die "Triaden"), welche Gemeinsamkeiten mit den politischen Gesellschaften in Bezug auf Namen und Organisation haben. Trotzdem sollte man diese beiden nicht verwechseln. Die kriminellen Organisationen sind weit von den hohen moralischen Ursprüngen weggedriftet und reflektieren praktisch keine Ausrichtung zur Humanität. Der Name "Triade" selber bezieht sich auf die große Dreieinigkeit von Himmel, Erde und Menschheit. Die Politischen – und auch die martialischen – Gesellschaften teilten ursprünglich das "Triaden" Ziel und die Kategorisierung. Da der Begriff im heutigen Gebrauch aber meist auf das kriminelle Element bezogen ist, scheuen sich die meisten Geheimgesellschaften es noch zu benutzen.

Das wirkliche Wachstum dieser kriminellen Gruppe begann im frühen 20. Jahrhundert als eine Folge von politischen Gefälligkeiten während der sehr turbulenten Zeiten zwischen dem finalen Sturz der Qing-Dynastie 1911 und dem Ausbruch des China-Japan Krieges 1937. Als Dank für die Hilfe der kriminellen Elemente bei der Kontrolle der Massen, erlaubten mächtige politische Figuren, dass die Prostitution, das Glückspiel, der Schmuggel und der Opiumhandel gedeihen konnten. Es ist interessant anzumerken, dass während dieser Zeit der Rest der Weltnationen sich der großen Depression ausgesetzt sah. Der Aufstieg des im Mafiastil organisierten Verbrechens in der westlichen Welt spiegelt praktisch den von Chinas kriminellen Gesellschaften wieder, und aus fast denselben Gründen.

Die dritte Gruppe der Geheimgesellschaften, die es heute noch gibt, ist die der Kampfkunstorganisationen. Sie begannen als Kriegersekten, die von der königlichen Ming Familie unterstützt wurden, mit dem Ziel, die Manchu Eindringlinge in China zu stürzen und die Han wieder an die Macht zu bringen. Wo ihre Schwestergesellschaften auf politische Aktionen setzten, waren sie auf Verschwiegenheit für das Überleben angewiesen.

In Verschwiegenheit fuhren sie fort, revolutionäre Truppen zu trainieren, um gegen die Qing-Dynastie zu kämpfen und schließlich gegen die Invasoren aus dem Westen während der Boxeraufstände. Ein gutes Beispiel ist die ursprüngliche Chin Woo Association, gegründet von Huo Yan Jia im frühen 20. Jahrhundert. Auch heute noch bewahren kampfkunstorientierte Gesellschaften ihre kulturellen und historischen Traditionen, aber haben keinen Bezug mehr zu politischen oder kriminellen Aktivitäten oder Vereinigungen. Die meisten dieser Gruppen sind nicht mehr geheim.

Eine ältere Vereinigung, die Hung Fa Wui (Gesellschaft der roten Blume), welche ein Gegenstück der Hung Muhn Gesellschaft war, hat ihre Wurzeln im südlichen Shaolin Tempel und in den geheimen Treffen in demselben Roten Blumen Pavillon, den auch andere Geheimgesellschaften im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert verwendeten. Der ausdrückliche Zweck dieser Gesellschaft war das Training der Kampffertigkeit der Revolutionstruppen. Um dieses Ziel zu erleichtern, mussten sich die Praktizierenden denselben strengen Gelübden von Bruderschaft und Loyalität unterwerfen, wie die anderen Geheimgesellschaften, und ihr Verhaltenskodex blieb ebenso frei von Verdorbenheit, wie er erschaffen wurde von den Nachkommen des südlichen Shaolin Tempels.

Geheimbünde haben Kampfkünsten keine schlechte Reputation gegeben. Im Gegenteil, sie haben die Ziele und den Verhaltenskodex bereichert für alle wahren Praktizierenden und Lehrer von vielen populären Systemen.

© Ali Ol / Björn Henke
Kung-Fu WebMag /
German Chow Gar Association / VFCK



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