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Kung-Fu Show -

Rückkehr der Shaolin



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Anfang Januar 2007 machte mich ein sehr guter Freund, der meine Leidenschaft für asiatische Kampfkunst teilt, darauf aufmerksam, dass die berühmten Shaolin Mönche im März nach Bonn kommen würden. Sofort besorgte ich zwei Tickets, natürlich Rang Mitte, 1. Reihe, man will ja bei so einem Augenschmaus niemanden vor sich haben. Die Zeit vergeht ja sehr schnell, und so kann ich heute Nacht meine Eindrücke über das gerade Erlebte schildern. Ab 19 Uhr war Einlass in der Bonner Beethovenhalle. Als wir um 18:55 eintrafen standen die Besucher schon in Massen vor den Eingängen. Das freute mich riesig, gehört Deutschland somit in Europa immer noch zu den Top Ländern in Sachen Martial Arts.

Was mich sehr erstaunte und wiederum freute war die Tatsache, dass sehr viele Eltern ihre Kinder zu diesem Ereignis mitgebracht hatten. Die Klimakatastrophe kann kommen, der deutsche Nachwuchs in Sachen Karate, Judo, Aikido, Kung Fu, etc. scheint jedenfalls gesichert! Als die Eingangshallen endlich geöffnet wurden empfingen uns im Foyer asiatische Klänge, die, für meine Ohren, Buddha sei Dank, mit etwas Etnopop vom Synthesizer aufgefrischt wurden. Ein kleiner Verkaufsstand bot den üblichen Firlefanz wie T-Shirts mit Shaolin-Aufdruck, Kampfanzüge und -Westen, Miniaturwaffen, bunten Schmuck, gold schimmernde Buddhas, etc. an.

Nachdem wir endlich kurz vor 20 Uhr unsere Plätze einnehmen durften, betrachtete ich aufmerksam das Bühnenbild. Die Beethovenhalle ist ursprünglich für Konzerte konzipiert worden und bietet deshalb nicht viel Raum für eine große Bühnenshow. Aber liebevoll kitschig war die Front eines Tempels nachgebildet, dessen Eingang von zwei Drachen mit rot glühenden Augen flankiert wurde. Rechts und links der Drachen loderten aus je zwei riesigen Kupferschalen echte Flammen und wiederum daneben standen zwei Ständer mit Waffen, wie sie in jeder guten Kung-Fu Schule anzutreffen sind. Endlich wurde der Raum abgedunkelt, das Bühnenbild erstrahlte blutrot und eine Stimme aus dem Off begann über die Anfänge des Shaolin-Klosters zu erzählen. Schließlich öffnete sich die Tür des Tempels und die ersten coolen Jungs traten auf die Bühne. Mir schien es, als würden sie eine Szene aus dem Film "Der Tempel der Shaolin" nachspielen. Tolle Akrobatik, tolle Körperbeherrschung – ohne Zweifel, aber mir fehlte etwas, ich wusste aber noch nicht was.



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Nach dem Auftritt wieder die Stimme aus dem Off, die nun chronologisch mit der Geschichte des Tempels fort fuhr. Tolle Auftritte der Jungs, tolle Akrobatik, Körper- und Schmerzbeherrschung vom Feinsten, nichts auszusetzen. Aber bald wurde meinem Bauchgefühl klar: Das da unten ist nicht die legendäre, echte Gruppe von Shaolin-Mönchen, die hin und wieder die Abgeschiedenheit ihres Shaolin-Klosters in Henan verlässt, um ein paar Yuen für Buddha zu verdienen. Dies müssen Mitglieder einer Wushu-Schule sein, von denen es in China mehr gibt, als in Deutschland Bierbrauereien. Nach einigen überflüssigen Zwischenspielen (Mönch kniet vor Buddha Statue, Eltern bringen 7jährigen mit zerzauster Perücke und ebensolcher Kleidung zum Kloster), folgte eine sehenswerte Darbietung der einzelnen Tierstile, wie wir sie aus vielen SB-Filmen kennen: Drache, Tiger, Kranich, Schlange, etc. Besonders witzig und hervorragend akrobatisch umgesetzt waren die Stile Affe und Frosch, von denen ich noch bis vor einem Jahr glaubte, diese seien Erfindungen von Drehbruchautoren der Shaw Brothers Studios.

Die einzelnen Darbietungen, die durch effektvolle Farbwechsel und musikalische Untermalungen perfekt begleitet wurden, waren aber leider so kurz, das ich gar nicht richtig in Stimmung kam. Das änderte sich erst im zweiten Teil der Show mit einem großartigen Höhepunkt: Zwölf Kämpfer, jeder mit einer anderen Waffe, zeigte für mehr als drei Minuten eine Kata. Sensationell, genial. Jetzt war man mitten drin im legendären Wushu! Und das Gänsehaut-Feeling steigerte sich, als alle Kämpfer nach den Formen für wiederum einige Minuten in einer Gruppenformation bewegungslos verharrten, und man sie noch nicht einmal atmen sehen konnte. Kein Schweiß, kein erhöhter Puls – faszinierend! Das Publikum schien auch nicht mehr zu atmen, da sich eine hörbare Stille über den Saal gelegt hatte.

Resumee
Bei dieser Show werden die Zuschauer in die Welt des Shaolin Wushu eingeführt, aber leider ein wenig im Micky Maus Stil. Für unbedarfte Amerikaner hervorragend geeignet, für Einsteiger auch ok. Hat man sich mit dem Thema aber ein wenig beschäftigt, ist es zu showlastig, was leider die eigentliche Martial Arts/Kunst in den Hintergrund drängt. Noch einmal würde ich mir "Die Rückkehr der Shaolin" nicht ansehen. Dennoch bin ich froh, dieses Programm nicht verpasst zu haben, ich hätte es mir sonst bis zu meinem Lebensende vorgeworfen. Zu Hause angelangt habe ich kurz recherchiert, und siehe da: Diese Truppe kommt von einer der 10 besten Wushu Schulen in China. Nun, das ist doch auch was... !

© Ursula Bäcker
Email Ursula Bäcker



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