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Wushu oder Kung-Fu?



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Sowohl in der klassischen als auch in der modernen Literatur begegnet man verschiedenen Bezeichnungen für die chinesischen Kampfkünste: Quanshu, Quanfa, Wuyi, Guoshu, Gongfu, usw. Der Begriff "chinesisches Boxen", oft benutzt für die Kampfkünste Chinas, kann als die korrekte Übersetzung der chinesischen Begriffe Quan (Faust, Faustkampf), Quanfa (Methode des Faustkampfes) oder Quanshu (Kunst des Faustkampfes) bezeichnet werden.

Jedoch haben die meisten chinesischen Kampfkunstsysteme ein wesentlich größeres Arsenal von Kampftechniken, nach der traditionellen Klassifikation:

a) Tritte (Ti)
b) Schläge (Da) – nicht nur mit den Fäusten, sondern auch mit der Handfläche, Handkante, Finger, Unterarm, Ellenbogen, Kopf usw.
c) Würfe, Feger usw. (Shuai)
d) Haltegriffe und Hebel (Na)

Abgesehen vom Kampf mit den bloßen Händen, ist in den chinesischen Kampfkünsten die Benutzung von verschiedensten Waffen sehr gebräuchlich.

Die Begriffe Quan, Quanshu und Quanfa sind besser als Umschreibungen mit der Bedeutung "System der Kampfkunst" oder "Kampfkunst" zu verstehen. Der Begriff Quan findet sich oft als Teil von verschiedenen Schulnamen – dies bedeutet, dass Shaolin Quan nicht "Shaolin-Boxen" sondern "Shaolin Kampfkunstsystem" meint. Quan kann aber auch die Abkürzung des Begriffes Form (Quantao; Quanshu Taolu) eines bestimmten Kampfkunststils meinen. Liujia Quan kann also sowohl "Kampfkunstsystem der Familie Liu" oder "Form der Liu Familie" bedeuten.

Etwas komplizierter wird es mit den Begriffen Wushu, Guoshu und Gongfu (oft übersetzt als Kung-Fu). 1928 wurde in Nanjing das "Central Institute of the National Arts" (Zhongyang Guoshu Guan) durch Präsident Jiang Jieshi gegründet, eine der ersten chinesischen Organisationen, ins Leben gerufen und unterstützt durch die Regierung, mit der Intention der Kontrolle, Forschung und Erhaltung der traditionellen Kampfkunst. Die traditionellen Begriffe Wushu und Wuyi (wörtlich: Kampfkunst, Kunst des Krieges) wurden ersetzt durch den patriotischen Begriff Guoshu (Abkürzung für Zhongguo Guoshu, "chinesische Kampfkünste"). Der Begriff Guoshu wird heute hauptsächlich in Taiwan, Hongkong oder den chinesischen Gemeinschaften im Westen benutzt.

Die Situation und auch die Terminologie veränderten sich nach dem 2. Weltkrieg. Die Regierung der Volksrepublik China förderte nicht länger das Training der traditionellen Kampfkünste. Das "National Sport and Physical Education Institut" (Guojia Tiyu Xueyuan) und andere Organisationen wurden durch die kommunistische Partei Chinas ins Leben gerufen und warben für Sport, Wettkampf, Gesundheit und eine standardisierte Form der chinesischen Kampfkünste, die offiziell (und paradoxerweise) mit dem alten/neuen Begriff Wushu, "Kampfkunst" bezeichnet wurde, heute oft "zeitgenössisches Wushu" genannt, um eine Unterscheidung zum traditionellen Wushu hervorzuheben, dem Wushu im eigentlichen Sinne. Der kämpferische und spirituelle Aspekt wurde unterdrückt und reduziert, die Kampftechniken wurden gemischt mit Gymnastik, Ballett und chinesischer Oper, das Hauptziel wurde der Formenwettkampf. Verschiedene Kategorien des Wettkampfes wurden erfunden, zum Beispiel "Langfaust" (Chang Quan), "Südfaust" (Nan Quan), "Stock" (Gunshu), "Säbel" (Daoshu), "Speer" (Qiangshu), "Schwert" (Jianshu), vereinfachtes Taijiquan, und so weiter. Nach den Änderungen Anfang der 80er Jahre begann das traditionelle Wushu wieder zu erblühen und heute findet man wieder sowohl moderne als auch traditionelle Wushu Schule in großer Anzahl. Im Oktober 2004 organisierte die International Wushu Federation das "First Traditional Wushu Festival" in Zhengzhou in der Provinz Henan (nebenbei bemerkt hat der Autor dieses Artikels zusammen mit seinem Bruder Petr den 1. Platz in der Kategorie "Sparring Sets" gewonnen). Der gebräuchlichste Begriff für die chinesischen Kampfkünste ist im Westen definitiv Gongfu (oft angepasst in Kungfu, Kung Fu oder Kung-Fu). Linguistisch haben diese Begriffe nicht viel gemeinsam mit Kampfkunst (mit Ausnahme der südlichen chinesischen Dialekte, besonders kantonesisch) – die Hauptbedeutungen sind "Zeit", "Fähigkeit", "Kunstfertigkeit", "Beherrschung", "harte Arbeit", "Tapferkeit", "Anstrengung". Übersetzt man die Erläuterung, meint Gongfu eine Fähigkeit oder Tapferkeit in einem bestimmten Feld (nicht notwendigerweise in den Kampfkünsten), erreicht durch langes und hartes Training. Wegen der weiter oben erwähnten Entwicklungen der Kampfkünste in China seit 1950 haben viele Praktizierende eine Änderung in der Bedeutung und dem Inhalt des Begriffes Wushu festgestellt. Dieser Begriff ist heute ein Synonym für die Moderne und Sportliche und - nach der Meinung einiger Meister – verschlechterte Form der chinesischen Kampfkunst, die der modernen Gymnastik oder dem modernen Tanz näher ist als der Kunst des Kämpfens. Die traditionellen Kampfkünste mit all ihren Aspekten wie Selbstverteidigung, innerer Energiekultivierung, Etikette und Philosophie werden normalerweise Gongfu oder "traditionelles Wushu" genannt.

Hinweis: Die internationale Standardtranskription für mandarinchinesisch Pinyin wurde für die Romanisierung des Chinesischen verwendet.

© Pavel Macek
Lam Ga Hung Kuen



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Das chineische Zeichen für Wushu 
Das chineische Zeichen für Kung-Fu 
Das chineische Zeichen für Guoshu 
Das chineische Zeichen für Quan 


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