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Interview Lee Kam Wing



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Im Dezember 2004 besuchte der bekannte Seven Star Tang Lang Meister Lee Kam Wing seine Schüler in Deutschland. Seine Stationen waren Hamburg, Osnabrück und Münster. Wir ließen es uns nicht nehmen und trafen Meister Lee Kam Wing in Osnabrück zu einem Interview, wo er bei seinem Schüler Jochen Wolfgramm einige Tage verweilte.

WebMag:

Meister Lee, willkommen in Deutschland!

Meister Lee:
Danke!

WebMag:
Das ist nicht Ihr erster Besuch in Deutschland?

Meister Lee:
Nein, ich bin jedes Jahr hier.

WebMag:
Sie sind jedes Jahr in Deutschland gewesen?

Meister Lee:
Ja, die letzten 3 Jahre ununterbrochen.

WebMag:
Wie finden Sie die Menschen hier in Deutschland?

Meister Lee:
In Deutschland gibt es Menschen, die ich gut finde, und welche, die ich nicht so gut finde. Ich unterrichte in Deutschland jetzt schon 20 Jahre. Die Ideen und das Denken sind hier im Allgemeinen korrekt, aber ich habe hier auch Menschen kennen gelernt, die nur an ihr eigenes Ego denken, um größer und bekannter zu werden, aber sie kümmern sich nicht wirklich um das Kung-Fu. Das ist insofern nicht in Ordnung, da es das Kung-Fu hier nicht wirklich weiterbringt.

WebMag:
Welche Unterschiede sehen Sie in der Art, wie in Europa die Schüler unterrichtet werden zu der Weise, wie sie in Hongkong unterrichtet werden? Welche Unterschiede konnten Sie in der langen Zeit, in der Sie ausbilden, feststellen?

Meister Lee:
In Hongkong gibt es viele Meister auf engem Raum, von denen man lernen kann. In Europa ist es schwieriger. Es kommen nicht so viele Meister hierher. Es gibt auch Chinesen, die hierher kommen, die nicht wirklich Meister sind. Sie wissen zwar etwas, aber sie wissen nicht viel. Aber weil niemand sie hier kennt, sagen sie, dass sie große Meister sind.

WebMag:
Meister Lee, Sie sind einer der bekanntesten Sieben Sterne Tang Lang Meister in der Welt. Was denken Sie zeichnet diesen Stil aus, was ist das Besondere an diesem Stil?

Meister Lee:
Das Besondere an diesem Stil ist seine Schnelligkeit und das man von einer Technik schnell zu einer anderen wechseln kann und diese, wenn man gut ist, nahtlos verbinden kann. Dafür muss man hart trainieren. Wenn man faul ist und nur redet, wird man nicht weit kommen.

WebMag:
Sie haben davon gesprochen, dass Sie eine neue Organisation in Hongkong gründen wollen. Was hat es damit auf sich?

Meister Lee:
Die Idee, die dahinter steckt, ist, dass wir hoffen, viele verschiedene Stile unter ein Dach zu bringen. Im Moment sind es 16 verschiedene Stile. Der Großmeister ist ein renommierter erfahrener Meister aus Hongkong, der schon viele Jahre unterrichtet. Es sollen viele verschiedene Stile in dieser Organisation zusammenkommen, es soll wieder eine große Familie entstehen, damit die traditionelle chinesische Kampfkunst wieder größer wird und sich der Welt präsentieren kann. Ich hoffe für die Zukunft, dass viele Meister aus verschiedenen Ländern der ganzen Welt dazu stoßen. Es soll wieder ein gutes Miteinander der guten, großen Meister gewährleistet werden. Es gibt viele Meister, die sich für die Besten halten. Sie mögen wirklich gut sein. Aber wenn man im Kung-Fu gut ist, das Miteinander aber schlecht ist, dann kann das nicht wirklich gut sein.

WebMag:
Sie haben überall in der Welt Schüler. (Meister Lee lacht) Wie organisieren Sie das alles? Es ist doch sicherlich schwierig, Deutschland ist weit weg von Hongkong. Wie unterrichten Sie all Ihre Schüler, was geben Sie ihnen mit?

Meister Lee:
Normalerweise kommen die Schüler anfangs aus den verschiedenen Ländern nach Hongkong und lernen dort von mir, später komme ich dann zu ihnen. Ich bin der erste Sieben Sterne Mantis Meister, der nach Europa gekommen ist. Das ist jetzt 21 Jahre her. Ich sehe es als meine Pflicht an, meinen Stil weiterzubringen. Jedes Jahr komme ich ein oder zwei Mal in jedes Land. In diesem Jahr war ich in Amerika in 3 verschiedenen Städten. Danach war ich in England, dann in Ungarn, in Italien, und jetzt in Deutschland war ich auch in 3 verschiedenen Städten. Nächsten Monat werde ich nach Italien gehen, um mir eine neue Gruppe anzusehen. Dorthin werde ich einen Wu-Stil Taichi Meister, der auch Bagua unterrichtet, mitnehmen, der für mich übersetzen wird.

WebMag:
Das moderne Wushu wird immer populärer. Welche Chance sehen Sie für das traditionelle Kung-Fu im Vergleich zum Wushu? Viele Leute sagen, dass das moderne Wushu leichter zu lernen ist, weil es nicht so lange dauert, es zu lernen.

Meister Lee:
Als Erstes möchte ich betonen, dass wir nicht gegen irgendjemanden sind. Wir haben nichts gegen Wushu. Sie haben ihr Wissen. Sie haben ein neues Denken. Sie verbinden es mit Sport. Es ist ein gutes Training für junge Leute, um Sport zu treiben. Auch traditionelle Kampfkunst ist nicht so schwer, wenn man nicht zu eilig und ungeduldig ist. Wenn man Schritt für Schritt trainiert, ist es auch leicht, einen traditionellen Stil zu lernen.

WebMag:
Eine ganz andere Frage: Wie ist die Situation in Hongkong nach S.A.R.S. Kann man einfach wieder so reisen?

Meister Lee:
Es war schlimm am Anfang. Ich konnte 6 Monate nicht reisen und musste in Hongkong bleiben. Das war sehr hart. Aber jetzt ist wieder alles unter Kontrolle.

WebMag:
Sifu Wolfgramm, eine Frage an Sie: Sie engagieren sich auch sehr stark für das traditionelle Kung-Fu. Wie sehen Sie Ihr Verhältnis zu Meister Lee? Nicht nur als Schüler, haben Sie über die Jahre auch eine andere Beziehung aufgebaut?

Sifu Wolfgramm:
Das ist eine sehr schwierige Frage. Es ist für mich auf jeden Fall sehr wichtig, Meister Lee das Gefühl zu geben, das wir seinen Stil so, wie er ihn selber sieht und wie er ihn auch selber weitergeben will, genauso hier vertreten und nicht anders. Wir werden zum Beispiel nicht, weil Wushu im Moment so beliebt ist, Elemente davon in den Stil einzubauen. Ich versuche, ganz traditionell zu bleiben, so wie ich es auch gelernt habe, und es auch genauso weiterzugeben. Und dadurch versuche ich, das Verhältnis zu meinem Meister möglichst gut zu gestalten, damit er, wenn er hierher kommt, auch sieht, dass ich dafür etwas tue und das er seinen Stil hier wieder erkennen kann.

WebMag:
Wie sehen Sie überhaupt eine Chance in Deutschland das traditionelle Kung-Fu weiterhin zu verbreiten. Deutschland ist riesengroß und eigentlich machen sehr wenige traditionelles Kung-Fu, wenn man es vergleicht mit anderen Kampfsportarten wie Taekwondo oder Karate.

Sifu Wolfgramm:
Ich denke mal, auf der einen Seite ist es gar nicht das Anliegen eines traditionellen Kung-Fu Stils, unbedingt Breitensport zu werden, denn wenn man die Geschichte sieht, war traditionelles Kung-Fu eigentlich schon immer für wenige bestimmt. Die wirtschaftliche Situation macht es natürlich für einige Schulen notwendig, dass es doch etwas größer verbreitet wird, dass mehr Leute daran Interesse gewinnen und daran kann man in der Zukunft sicher noch arbeiten und auch mehr erreichen, aber wie gesagt, ich glaube nicht, dass es das Ziel sein sollte, es so stark zu verbreiten wie zum Beispiel Taekwondo oder Karate. Das sind mehr Kampfsportarten. Wir machen nun mal Kampfkunst.

WebMag:
Meister Lee, Ihre Wünsche für die nächsten 10 Jahre?

Meister Lee:
(Lacht) Ich wünsche uns, dass alle traditionellen Kampfkünste wieder größer werden. Und das sie wieder näher aneinander rücken.

WebMag:
Sifu Wolfgramm, Ihre Wünsche für die nächsten 10 Jahre?

Sifu Wolfgramm:
Ich sehe das Ähnlich wie Meister Lee. Ich würde mir wünschen, dass gerade hier in Deutschland die traditionellen Stile viel enger zusammenarbeiten und vor allen mit weniger Missgunst aufeinander schauen.

WebMag:
Wir wünschen Ihnen einen guten Aufenthalt in Deutschland und hoffen, dass wir Sie bald wieder sehen werden. Meister Lee, Sifu Wolfgramm, vielen Dank für das Gespräch.

Meister Lee, Sifu Wolfgramm:
Wir danken dem Kung-Fu WebMag.

© Ali Ol / Björn Henke
Kung-Fu WebMag /
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