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Die vier Säulen

des Hung Gar Kuen



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Mit der Bezeichnung Hung Gar Kung-Fu werden nur wenige Handformen festgelegt, die in allen Hung Gar Schulen der berühmten Lehrerlinie von Abt Chi Sim, Hung Hei Gung, Wong Fei Hung, Lam Sai Wing und dessen Erben unterrichtet werden. Die vier Hauptformen heißen: Gung Ji Fuk Fu Kuen, Fu Hok Seung Ying Kuen, Sap Ying Kuen und Tit Sin Kuen. Jede einzelne dieser Formen beinhaltet und trainiert einen bestimmten Bereich des Hung Gar Kung-Fu. Sie bilden sozusagen die Säulen, auf dem das System aufgebaut ist. Diese vier Hauptformen trainieren den Übenden nicht nur äußerlich, sondern auch mental, innerlich wie auch spirituell.

Beschreibung der Trainingsinhalte dieser Formen:

Gung Ji Fuk Fu Kuen - Bändigung des Tigers nach dem "Gung" Zeichen
(Entwicklung von Stärke, Kraft und Ausdauer)
Gung Ji Fuk Fu Kuen ist die älteste Hauptform des Hung Gar Kung-Fu, die ihren Ursprung im Fujian-Shaolintempel hat und von Abt Chi Sim an Luk Ah Choy unterrichtet wurde. Die Übersetzung dieser Form bedeutet in etwa "den Tiger bändigen im Zeichen des Gung". Mit der Bezeichnung Tiger ist nach der Vorstellung der Shaolinmönche der physische Körper gemeint - also das intensive Trainieren des Körpers. Das Schriftzeichen "Gung" gleicht etwa einer römischen "Eins". Dieses Aussehen entspricht der Fußarbeit, welches der Ausführende während der Form läuft. Das Schriftzeichen "Gung" bedeutet übersetzt "Arbeit" und verweist auf die Anstrengung und Ausdauer, die nötig ist, um diese Form zu meistern. Der Legende nach war der ursprüngliche Namen dieser Form "Siu Lam (Shaolin) Fuk Fu Kuen" gewesen. Da der Name Siu Lam (Shaolin) mit rebellischen Aktivitäten in Verbindung gebracht wurde, änderte man den Namen später.

Die heutige Gung Ji Fuk Fu Kuen ist eine sehr lange, anstrengende und harte Form. Sie setzt sich aus über 200 Bewegungen zusammen. Gung Ji Fuk Fu Kuen ist traditionell immer die erste Hauptform, die im Hung Gar Kung-Fu unterrichtet wird. Sie betont stabile Stellungen (besonders die Reiterstellung) und kräftigt die Unterarme (Brückenhand). Langsam und unter großer Anspannung muss der Übende diese Form ausführen. Dadurch wird die gesamte Muskulatur gekräftigt. Der Schüler lernt durch einfache Hüft- und Oberkörperdrehungen eine große Kraft zu erzeugen, welche sich in den harten Blocktechniken und kraftvollen Schlägen dieser Form widerspiegeln. Viele Techniken werden auf beiden Seiten ausgeführt. Dadurch trainiert der Schüler die Geschicklichkeit beider Arme. So bildet die Gung Ji Fuk Fu intensiv die Basis des Hung Gar Kung-Fu, beinhaltet aber auch Techniken der fünf Elemente und fünf Tiere sowie elementare Atemtechniken. Die Gung Ji Fuk Fu Kuen trainiert aber nicht nur den Körper, sondern auch die geistige Stärke. So soll durch dieses harte körperliche Training auch der Charakter und die Willensstärke des Schülers geprüft und entwickelt werden um die natürliche Neigung zu Nachlässigkeit, Trägheit und Selbstsucht (Ego) zu überwinden. Die der Gung Ji Fuk Fu Kuen zugrunde liegende Philosophie fördert Ausdauer, Entschlossenheit, einen eisernen Willen, betont Atmung (Hei/Chi) und Kraft.

Fu Hok Seung Ying Kuen - Tiger-Kranich Form
(Balance von Kraft und Flexibilität)
Die Tiger- und Kranich Form ist die berühmteste Form des Hung Gar und wurde von Wong Fei Hung und Lam Sai Wing in ihrem heutigen Aussehen zusammengestellt. Während die Gung Ji Fuk Fu Kuen eine solide Grundlage bildet, entwickelt die Fu Hok Seung Ying Kuen die Fähigkeit, die erworbene Kraft sinnvoll und geschickt anzuwenden. Der Hauptschwerpunkt dieser Form orientiert sich, wie der Name schon sagt, an den kraftvollen explosiven Bewegungen des Tigers und den ruhigen geschmeidigen Bewegungen des Kranichs. Diese sollen der Legende nach von Stilgründer Hung Hei Gung stammen, der seinen Shaolin-Tigerstil mit dem Fukien Weißen-Kranich Stil (nicht mit dem weißen Kranichstil aus Tibet verwechseln) kombinierte.

Die Chinesen glauben an die Notwendigkeit der Gegensätze, um eine harmonische Einheit hervorzurufen. Im Kung-Fu wird dieses Konzept durch "hart" und "weich" dargestellt. Im Hung Gar wird das "harte" Element durch den Tiger repräsentiert, das "weiche" durch den Kranich, der sehr leichtfüßig und wendig ist und seinen Angreifer ständig ins Leere laufen lässt. Während der Tiger hart und kraftvoll trainiert, sorgt der Kranich für einen weichen Ausgleich. So verlangen die langen Tigerbewegungen vom Schüler, sich auf seine ganze Körperkraft zu konzentrieren und diese bei seinen Aktionen richtig einzusetzen. Der Mut und die Entschlossenheit eines Tigers müssen sich in den Tigerbewegungen widerspiegeln. Die kurzen Kranichbewegungen verlangen rasche und flexible Aktionen. In seinen Bewegungen müssen sich Ruhe und Gelassenheit, für die der Kranich bekannt ist, ebenso widerspiegeln. Somit verschmelzen in dieser Form Kraft und Geschmeidigkeit harmonisch zu einer Einheit, ganz nach der chinesischen Philosophie von Yin und Yang (Yin/Yeung).

So muss der Übende um diese Form korrekt auszuführen, die harte und weiche Kraftanwendung (Gong/Yau) verstehen. Neben den Bewegungen von Tiger und Kranich, die eigentlich nur einen kleinen Teil bilden, enthält diese Form eine ganze Reihe weiterer wirklich seltener und einzigartiger Südshaolin-Techniken wie z. B. die gewaltigen Schläge der Buddhafaust des Fut Gar Kuen oder die berühmte Schattenlosen-Tritt-Methode (Mo Ying Gerk Faat).

Sap Ying Kuen - 10 Figuren Form oder 5 Tiere/5 Elemente Form
(Spiritualität und Philosophie)
Die Sap Ying Kuen gilt als Verbindungsform zwischen den äußeren und den inneren Trainingsinhalten des Hung Gar Kung-Fu und ist für den mehr fortgeschrittenen Schüler gedacht, der sich durch die zuvor gelernten Formen schon ein gutes Verständnis für das Kung-Fu erworben hat. Sap Ying Kuen bedeutet übersetzt "10 Figuren Form" und setzt sich aus den fünf klassischen Shaolin-Tierbewegungen von Drachen, Schlage, Tiger, Leopard und Kranich sowie aus Bewegungen, die den 5 Elementen (Metall, Holz, Wasser, Feuer, Erde) der chinesischen Philosophie zugeordnet wurden, zusammen. Erzählungen nach stammte diese Form in ihrem heutigen Aussehen von Großmeister Lam Sai Wing, der die Ng Ying Kuen (5 Tiereform) von Wong Fei Hung, noch durch Techniken der 5 Elemente erweiterte. Die 5 Tiereform bildet den ersten Teil der Sap Ying Kuen, die 5 Elemente den Zweiten.

Jede der 5 Tiere- und 5 Elementtechniken der Sap Ying Kuen hat einen eigenen Abschnitt in der Form und spezielle physische Eigenschaften und Charakteristiken wie Handtechniken und Stellungen. Sie stehen für eine bestimmte Funktion des menschlichen Körpers, die durch das Nachahmen der Figuren trainiert werden soll. Neben dem Nachahmen der Figuren ist aber die Vorstellungskraft und das Hineinversetzen in die Eigenschaft des Tieres oder Elementes das Wichtigste, um die Bewegungen richtig auszuführen. Ohne die passende Geisteshaltung und Einstellung wird die Form ohne Substanz sein.

Die Sap Ying Kuen verweist auf die tiefe Achtung der Shaolinmönche vor der Natur und in all ihren Erscheinungen. Die Mönche beobachten aufmerksam die Natur und erkannten ihre Zusammenhänge. Sie erkannten auch, dass der Mensch fünf Hauptfunktionen hat und diese zu einer wirksamen Einheit verschmolzen werden mussten. Diese 5 Elemente sind Geist, Atem, Kraft, Knochen und Sehnen. Sie glaubten, dass, wen all diese fünf Funktionen miteinander kombiniert wären, das Ergebnis ein überlegener Kampfkünstler sei. Es heißt: Die 5 Elemente bilden fünf Methoden, um Kraft zu erzeugen, während die 5 Tiere 5 Methoden darstellen, diese Kräfte einzusetzen. Die geschickte Kombination der 10 Figuren untereinander machen die Anwendung dieser Form zu einer der höchsten und fortgeschrittenen Formen des Shaolin Kung-Fu, die nur unter Anleitung eines qualifizierten Sifu erlernt werden können, der die Eigenschaften von den 5 Elementen, den 5 Tieren, ihre Anwendung und Geschichte genau kennt und versteht.

Tit Sin Kuen - Eiserne-Faden-Form
(Trainieren der Brückenhände, Verfeinerung des Geistes und der "inneren Kraft")
Tit Sin Kuen ist die höchste und schwierigste Form des Hung Gar Kung-Fu. Tit Sin Kuen bedeutet "Eisenfaden Faust", da die Bewegungen der Tit Sin Kuen sowohl "hart" wie Eisen (Tit) als auch weich wie ein Faden (Sin) sind. Ihren Ursprung hat diese Form im Südshaolin. Sie wurde durch Wong Fei Hung in das Hung Gar gebracht, der diese Form von Lam Fuk Sing lernte. Lam Fuk Sing war ein Schüler von Tit Kiu Saam, der zu den "10 Tiger von Gwongdung" gehörte. Tit Kiu Sam wurde von dem Mönch Goyan unterrichtet, der Berühmt war für seine unübertroffenen Fähigkeiten im Shaolin-Chi Kung.

Die Eisenfaden-Faust setzt sich nicht aus Kampftechniken zusammen, sondern dient der Entwicklung der inneren Kraft (Hei), einem klaren Geist (Shen) und einer guten Gesundheit. Tit Sin Kuen beruht auf den Bewegungen und dem Geist des Drachen. Der Drachen gilt für die Shaolinmönche als Symbol für Spiritualität und Geist. Die Grundbewegungen basieren auf den 12 Methoden der "Brückenarmen" des Hung Gar Kung-Fu. Jede dieser Methoden basiert wiederum auf einem bestimmten Prinzip. Die Prinzipien sind: Gong/Hart, Yau/Weich, Bik/Zusammendrücken, Jik /Gerade, Fan /Teilen, Ding/Stabil, Chyun/Kurz, Tai/Heben, Lau/Zurückhalten, Wan/Leiten, Jai/Unterwerfen und Ding/Beenden.

Beim Ausführen der Form werden weiche und harte Bewegungen, langsame und schnelle Aktionen, hohe und niedrige Töne ganz nach dem Prinzip von Yin und Yang und den 5 Elementen ausgeführt, um so zu größerer Kraft, einer perfekten inneren Balance und Harmonie zu finden.

© Andreas Garski
German Hung Gar Association / VFCK



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