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Di Tang Shu -

Die Kunst des Bodenkampfes



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Eine Kampfkunst, welche als Selbstverteidigung auf der Straße effektiv funktionieren soll, benötigt das Wissen über alle Kampfdistanzen. Diese Kampfdistanzen werden je nach Kampfkunst verschieden eingeteilt.

Im traditionellen nördlichen Shaolin Kung-Fu, dem Shaolin Quan Kung-Fu, teilt man die Distanzen wie folgt ein:

1. Weite Distanz
(Kontakt bzw. Treffer mit einem Körperteil möglich) z. B. Sidekick, weiter Faustschlag ("Jab")

2. Nahe Distanz
(Kontakt bzw. Treffer mit mindestens zwei Körperteilen möglich) z. B. gleichzeitiger Fauststoß und Stopkick, Doppelhandkantenstoß

3. Wurfdistanz
(Intensiver Körperkontakt) z. B. Hüfte greifen, Doppelarm-Nackenzug

4. Bodendistanz
(Einer oder beide Kontrahenten befinden sich am Boden)


Spätestens die erfolgreichen Teilnahmen diverser Bodenkämpfer an regelarmen Kämpfen wie den "Ultimate Fighting Championships" haben gezeigt, wie wichtig der Bodenkampf in einer realen Auseinandersetzung wirklich ist. Jeder Kämpfer, unabhängig seiner kämpferischen Qualitäten, kann in Situationen kommen, wo er am Boden kämpfen muss. Als Beispiel seien hier nur der unerwartete Angriff von hinten oder ein Kampf in beengten räumlichen Verhältnissen zu nennen. Das Kämpfen am Boden nennt man im Shaolin Quan Kung-Fu das "Di Tang Shu".

Der Boden ist Freund – nicht Feind
Der wichtigste Grundsatz im Shaolin Quan Kung-Fu ist, dass der Boden als Freund des Kämpfers angesehen wird und nicht als Feind. Das Shaolin Quan Kung-Fu lehrt also die Gegebenheiten des Bodens als positiv aufzufassen und in das Kämpfen zu integrieren. So wird der Boden zum Freund, indem er den Gegner am Flüchten hindert oder indem er unsere Kraft verstärkt. Er stabilisiert uns auch und hilft uns bei der räumlichen Einteilung aller Kampfbewegungen. Grundsätzlich versucht man im Shaolin Quan Kung-Fu immer, den Gegner zwischen sich und den Boden zu bringen, wobei es immer Situationen gibt, die ein anderes Verhalten rechtfertigen.

Der ganze Körper wird zur Waffe
Die wohl wichtigste und gleichzeitig wohl auch die härteste Waffe im Bodenkampf ist das Schlagen. Ein sich am Boden befindender Gegner kann wenig ausweichen und erlebt eine enorme Schlagwirkung, da ein Abprallen des Schlages (z. B. durch ein Nicken des Kopfes nach hinten) durch den direkten Kontakt zum Boden nahezu unmöglich ist – vergleichbar mit einem Auto, was mit 60 Stundenkilometern gegen einen feststehenden Betonpfeiler rast. Effektives Schlagen am Boden ist mit den verschiedenen Handtechniken, Ellbogen-, Knie- und Kopfstößen möglich. Das Chin Na Shu als Kontroll- und Beendigungstechniken am Boden. Neben dem Schlagen hat auch das Ansetzen von Hebeltechniken eine große Bedeutung. Ein Hebel ist immer eine Krafteinwirkung auf ein Gelenk entgegen seiner physiologischen Bewegung bzw. über seine physiologische Bewegungsfreiheit hinaus. Theoretisch können an jedem Gelenk Hebel angesetzt werden, wobei man sich im Shaolin Quan Kung-Fu auf Hebel der Extremitätengelenke (Fingergelenke, Handgelenk, Ellbogen, Schultergelenk, Kniegelenk, Sprunggelenk) aber auch der Halswirbelsäule (in Form von "Nackenhebeln") beschränkt. Diese Hebel können als Haltegriffe angewandt werden, um eine steigerbare Schmerzwirkung zu erzielen, aber auch als gezielter plötzlicher Angriff, um das Gelenk (irreparabel) zu schädigen bzw. zu zerstören. Gemäß dem Grundsatz der Shaolin ("Tue eher weh, als zu verletzen – verletze nur, um nicht zu töten – töte nur, um nicht selbst getötet zu werden") kommen diese zerstörenden Angriffe hauptsächlich dann zum Einsatz, wenn es sich um mehrere Angreifer handelt oder der Angreifer im Besitz einer Waffe ist und es gilt, diesen zu entwaffnen.



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Würgetechniken sind Angriffe zu den oberen Atemwegen (Luftröhre, Kehlkopf,...) bzw. zu den Blutgefäßen, die Kopf und Gehirn versorgen (Arteria Carotis [Halsschlagader], Vena Jugularis [Jugularvenen],....). Ziel ist es, die Atmung zu verhindern bzw. die Sauerstoff- und Blutzufuhr zum Gehirn zu blockieren.

Der Angriff von bestimmten vitalen Punkten (Dian Xue) ist eher zweitrangig zu betrachten und wird hauptsächlich verwendet, um den Gegner zu stören und zu einer Aktion zu zwingen, um gegebenenfalls weitere Angriffe anbringen zu können. Als Beispiel für Dian Xue seien diverse Angriffe zum Lymphsystem oder Angriffe zu Solarplexus, Herzspitze oder Ähnliches genannt.

Einsatz des gesamten Körpers
Gerade am Boden erfordert ein Kampf den Einsatz des gesamten Körpers – mühevolle Muskelkraft kann gespart werden, wenn man sein gesamtes Körpergewicht optimal in die Bewegung einbringt. So ist es auch körperlich schwächeren Menschen (z. B. Frauen) möglich, effektiv zu kämpfen. Besonders für Frauen hat der Bodenkampf einen hohen Stellenwert in der Selbstverteidigung. Potenzielle Angreifer sind meistens stärker und haben unter anderem das Ziel, eine Frau auf den Boden zu bekommen.

Fazit
Interessenten, die Selbstverteidigung lernen wollen, sollten eine Kampfkunst auswählen, die ein ausgeklügeltes und vollständiges Bodenkampfsystem beinhaltet. Ein reiner "Anti-Bodenkampf" ist nicht ausreichend. Nur, wer gelernt hat, sich in jeder erdenklichen Situation zu verteidigen, ist auch verteidigungsfähig. Viele Kampfkünstler müssen endlich wegkommen von Übungen in einer "sterilen Dojoatmosphäre" und ihre Übungen auf ihren Realitätsbezug hin überprüfen.

© Christian Kronmüller / Anastasia Nisin
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