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Formentraining

im Wing Chun



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Das Trainieren der Formen ist eines der Herzstücke des Wing Chun Kung-Fu Systems. Vor allem die erste Form, "Siu Lim Tao", spielt hier eine besondere Rolle. Diese Form enthält die Basistechniken des Systems und ist die Grundlage für jedes weiterführende Training des Systems. Auch fortgeschrittene Schüler trainieren deshalb immer wieder diese Form um in den Positionen und Winkeln, die in der Form gelehrt werden, eine möglichst große Perfektion zu erlangen. Begleitend zu dieser Form gibt es Übungen und Trainingsweisen, die das Verständnis der Anwendbarkeit einzelner Bewegungen vertieft. Ich habe dies in meinem Buch "Siu Lim Tao – Die kleine Idee" (ISBN: 393731296X), das mit der Hilfe meines Sifu Lo Man Kam entstanden ist, genauer dargelegt.

Nach dem Erlernen der Siu Lim Tao, widmet sich der Wing Chun Schüler dem Erlernen der Cham Kiu Form. Übersetzt bedeutet Cham Kiu so viel wie "das Suchen der Brücke". In dieser Form erlernt der Schüler Schritttechniken, Tritttechniken und Techniken, mit denen er Kontakt (die Brücke) zu seinem Gegner bekommen kann. Schritttechniken werden mit Armtechniken kombiniert, die in der ersten Form noch isoliert trainiert wurden. Wichtigste Beintechnik der Cham Kiu ist die Wendung, die dem Kämpfer erlaubt dem Angriffsdruck des Gegners durch eine Körperdrehung die Kraft zu nehmen. Die Wendung erlaubt dem Wing Chun Kämpfer auch seine Schlagkraft zu unterstützen, ohne seine Position zu verändern.

Als Nächstes folgt das Training der Biu Tze Form. Man kann dieses auf zwei unterschiedliche Weisen übersetzen. Die gängigste Übersetzung lautet "Stechende Finger", es kann allerdings auch als "auf die Scheibe zielen" übersetzt werden. Oft wird behauptet, die dritte Form des Wing Chun Systems sei eine reine Notfallform, die zur Verteidigung in Notsituationen dienen würde. Diese Erklärung halte ich allerdings für nicht ausreichend. In der Form werden unter anderem Schritttechniken geübt, die es ermöglichen, im Nahkampf den Gegner zu Boden zu bringen, oder mit Ellenbogentechniken anzugreifen. Die Kombination einzelner Techniken dieser Form erlaubt es dem Wing Chun Kämpfer, auch im Nahkampf sehr effektiv zu agieren und dadurch dem Gegner entscheidende Treffer zuzufügen. Das erste Mal verlässt der Trainierende mit Schlagtechniken das Prinzip des Wing Chun, von der eigenen Zentrallinie des Körpers aus die Zentrallinie des Gegners zu attackieren. Es werden auch Schlagtechniken trainiert, die seitlich vom Körper ausgeführt werden, genauso wie erstmals bewusst das Krümmen des Rückens als Unterstützung einer Technik erlaubt wird. Im Gespräch mit Meister Wang Kiu, ebenfalls ein Yip Man Schüler, wurde mir ebenfalls eine blumige Auslegung der Bewegungen dieser Form dargelegt, die das Erwachen eines Kranichs bis hin zu seinem Flug darlegte. Eine Verbindung zum Kranich Kung-Fu sei hier besonders deutlich sagte mir Wang Kiu, was die Vermutung unterstützt, dass dies einer der Stile ist, aus dem das Wing Chun System entstanden ist.

Die Holzpuppe des Wing Chun heißt im chinesischen "Mook Jan Chong". Übersetzt bedeutet das "Holz-Mann-Pfosten". Die heute in den meisten Wing Chun Schulen unterschiedlicher Schüler Yip Man´s praktizierte Holzpuppenform ist eine Weiterentwicklung der ursprünglich von Yip Man praktizierten Form. Diese Form bestand ebenfalls aus 108 zu zählenden Bewegungen. So ist es auch heute noch im Lo Man Kam Wing Chun System. Die Holzpuppenform wurde eigentlich begleitend zu den ersten drei Handformen gelehrt. Die Form kann in drei Abschnitte unterteilt werden, die vornehmlich Techniken der drei entsprechenden Handformen trainieren. Ich benutze die Holzpuppe in meiner Schule schon um Anfängern entsprechende Übungen zu geben, die ihnen das Verständnis bestimmter Bewegungen erleichtern soll.

Als Letztes folgen die Waffenformen des Systems, die Doppelmesser Form (Baat Cham Do) und die Langstock Form (Luk Dim Boon Gwun). Beide Formen wurden vermutlich erst relativ spät in das Wing Chun System eingebracht. Dabei wird vermutet, dass die Basis auf entsprechenden Techniken anderer Kung-Fu Stile beruht, die für das Wing Chun System modifiziert wurden. In den Waffenformen tauchen viele Bewegungen der ersten Handformen wieder auf. Besonders interessant erscheint der so genannte "Cat Stance", der in den Waffenformen erstmals auftaucht. Dieser Stand erscheint logisch, da er dem Kämpfer ermöglicht, das vordere Bein aus der (Waffen-) Reichweite des Gegners herauszunehmen. Das Training dieser Formen ist allerdings durch die Vorkenntnisse aus den Handformen um ein Wesentliches erleichtert. Das Einnehmen des "Cat Stance" ist allerdings im ersten Moment gewöhnungsbedürftig. Oft wird sogar gesagt, dass gerade die Doppelmesser Form vor allem der Stärkung der Handgelenke diene, oder gar, dass sich das waffenlose Wing Chun aus dem Waffenkampf heraus entwickelt habe. Da sich dafür allerdings keine historischen Belege finden lassen, ist dies eine der vielen Legenden, die sich um das Wing Chun System ranken.

Es ist zu hoffen, dass möglichst viele Wing Chun Lehrer die Hand- und Waffenformen des Wing Chun authentisch an ihre Schüler weitergeben, um das System auch für nachfolgende Generationen zu erhalten. Ich bin froh mit Sifu Lo Man Kam eine wahre Quelle des Wing Chun gefunden zu haben. Auch die trüben Wasser der Vergangenheit hatten ihr Gutes und ich bin dankbar, denn ich kann einen Vergleich zu dem Training von Sifu Lo Man Kam ziehen und bin sicher, mit ihm einen Trainer gefunden zu haben, der es versteht das System zu unterrichten und deshalb authentisch, im Sinne seines Onkels und meines Sigung Yip Man, weitergibt.


© Marc Debus
Lo Man Kam Wing Chun



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