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Fu Lung Pai Kung-Fu



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Die Ursprünge der meisten Kung-Fu Stile sind in der Vergangenheit verborgen. Ähnlich ist es mit dem Fu Lung Pai. Alles, was über diesen Stil bekannt ist, weiß man aus Legenden oder Überlieferungen der alten Meister. Das Fu Lung Pai wurde im 17. Jahrhundert von Wai Ming Lee begründet, indem er die Prinzipien des Tiger- und des Drachenstils verband. Er lernte über mehrere Jahre zuerst den Tigerstil von Hung Hei Gung, einem Schüler des letzten Shaolin Abt Chi Sim, und den Drachenstil von Lo Yuk Sang. Als Wai Ming Lee es in beiden Stilen zur Meisterschaft gebracht hatte, verbrachte er die nächsten Jahre damit, Techniken und Prinzipien beider Stile zu verbinden. Dabei sollte es sich jedoch nicht nur um die Summe zweier unterschiedlicher Stile handeln, sondern um eine Vereinigung nach dem Yin Yang Prinzip. Damit ist gemeint, dass sich beide Stile gegenseitig beeinflussen und als Ergebnis jeder Stil einen Teil des anderen in sich trägt. Als er mit seiner Arbeit zufrieden war, nannte er die Verbindung Fu Lung Pai. Wai Ming Lees erster Schüler war ein junger Mann namens Mok Lau Chan. Meister Wai erkannte das Talent und den eisernen Willen des jungen Mok Lau Chan und unter seiner strengen Anleitung wurde Mok Lau Chan ein hervorragender Boxer. Bald vertrat er den Stil seines Meisters bei den damals üblichen Lei Tai Kämpfen mit großem Erfolg.

Mok Lau Chans einziger Schüler war sein Neffe Wong Yuen Li. Wong Yuen Li gab den Stil weiter an seinen Sohn Wong Kam Tei. Dessen Meisterschüler war Huo Suk Feng. Huo Suk Feng war zu seiner Zeit ein gefürchteter und geachteter Boxer. Außerdem war er ein sehr angesehener Arzt, der bei der Bevölkerung sehr beliebt war, da er, wenn Not am Mann war, auch einmal auf sein Honorar verzichtete. Dies war bei seinen wohlhabenden Nachbarn nicht gerne gesehen, da dies, wie sie meinten, nur Gesindel anlocken würde. Huo Suk Feng ließ sich dadurch jedoch nicht beeindrucken. Eines Tages bekam er Ärger mit dem Sohn eines Nachbarn. Es ist nicht genau bekannt, was damals vorgefallen ist. Es gibt aber Gerüchte die besagen, Huo Suk Feng hätte diesen Nachbarssohn bei der Abwehr eines Messerangriffes mit einem Handflächenstoß getötet. Nach diesem Vorfall machten seine Neider jedoch von ihrem Einfluss Gebrauch und wollten ihn verhaften lassen. Freunde von Huo Suk Feng überzeugten ihn, dass es besser wäre, das Land zu verlassen, um einer Anklage zu entgehen. Widerwillig gab er nach und flüchtete nach Korea. Dort lernte er Kim Hu Sang kennen. Er unterrichtete ihn und seinen Sohn Kim In Sung über viele Jahre in der Kunst des Fu Lung Pai. Huo Suk Feng gilt bis heute als der größte Fu Lung Pai Meister aller Zeiten.

Bedingt durch die politische Situation in ihrer Heimat, emigrierte die Familie Kim nach Hawaii. Durch die vielen verschiedenen Nationalitäten, die dort lebten, kam es ständig zu Konflikten, die nicht selten in körperlichen Auseinandersetzungen endeten.

Meister Kim In Sung war zu dieser Zeit sehr oft gezwungen zu kämpfen, mehr als einmal ging es dabei um sein Leben, dabei bestätigte sich aber immer auch die Effektivität des Fu Lung Pai in einem realen Kampf. Zu dieser Zeit hatte Meister Kim bereits seine ersten Schüler. Einer davon war Shigeru Nobayoshi, ein japanischer Karateka. Doch statt seine Kenntnisse im Fu Lung Pai zu vertiefen, benutzte er das Erlernte, um es mit seinem Karate zu vermischen und daraus seinen eigenen Stil zu kreieren. Was nicht ungewöhnlich ist, wenn man bedenkt, dass sich die Japaner von den technischen Elementen des Kung-Fu zwar beeinflussen ließen, aber dem subtilen, philosophischen Inhalt (Prinzipien und Konzepte) keine Beachtung schenkten. So schlossen sie die Hand zur Faust (in den chinesischen Stilen ist die Benutzung der offenen Hand weit vielfältiger als im japanischen Karate) und ersetzten die innere Energie, deren Nutzung eine lange Übungszeit erfordert, durch die Überbetonung der Körperkraft. Shigeru Nobayoshi nannte seinen Stil "Shaolin Goshin Ryu Kempo".

Ein weiterer Schüler dieser Zeit war der hünenhafte Amerikaner Morris Young. Dieser konnte jedoch erst nach einem Herausforderungskampf mit dem ca. 1.70 m großen Meister Kim von der Effektivität des Fu Lung Pai überzeugt werden. Leider verstarb Morris Young während des Vietnamkriegs. Anfang der siebziger Jahre kam Großmeister Kim In Sung nach Deutschland. Sein erster Schüler wurde Dieter Brauckhardt, den er ohne Vorbehalt und Geheimniskrämerei, die man den Asiaten gerne nachsagt, in die Kunst des Fu Lung Pai einweihte. 1983 wurde Werner Horn als direkter Schüler von Großmeister Kim In Sung angenommen. 1994 unterlag Großmeister Kim In Sung in seinem letzten Kampf einem übermächtigen Gegner - dem Krebs.

Das Fu Lung Pai ist in Deutschland noch völlig unbekannt und selbst in Asien ist nur sehr wenig darüber bekannt. Das liegt daran, dass das Fu Lung Pai, bis es zu Großmeister Kim In Sung kam, zuvor nie öffentlich unterrichtet wurde. Nach Erzählungen von Großmeister Huo Suk Feng war Wai Ming Lee, wie sein Lehrer Hung Hei Gung, ein großer Patriot. Sein Gedanke war, seine Kunst nicht durch öffentlichen Unterricht den Manchu zugänglich zu machen, sondern lieber im Verborgenen die Anhänger der verschiedenen Geheimbünde zu unterrichten. Anders als das Hung Gar Kuen, aus dem einige der bekanntesten Volkshelden Chinas, z. B. Wong Fei Hung, hervorgegangen sind, und welches heute zu dem am bekanntesten südlichen Kung-Fu Stil zählt, hatte das Fu Lung Pai zwar hervorragende Meister, diese sind jedoch nie in die Öffentlichkeit getreten.

Das Fu Lung Pai ist ein sehr kampfbezogener Stil. Im Wechsel ausgeführte runde und lineare Ganzkörperbewegungen, ineinanderfließende (Ketten-) Techniken, eine ausgeklügelte Beinarbeit, Atmung und der Wandel von Spannung und Entspannung ergeben die Effektivität des Fu Lung Pai.

Wie bereits setzt sich das Fu Lung Pai aus dem Tiger- und dem Drachenstil zusammen. Der Tigerstil ist der kraftvollste der fünf Shaolin Tierstile:
Tiger / Fu –
Drache / Lung –
Leopard / Pow –
Kranich / Hok –
Schlange / She

Der Tiger gilt in China als König der Raubtiere. Im Kung-Fu symbolisiert der Tiger Direktheit. Die Tigertechniken sind kraftvoll, jedoch auch geschmeidig. Durch das Üben des Tigerstils wird man in die Lage versetzt, seine Kraft zu kontrollieren. Außerdem ist es ein ausgezeichnetes System um die Muskeln und Knochen zu stärken. Im Kampf sind die Tigertechniken aggressiv und entschlossen. Der Gegner wird direkt angegriffen und es wird die Tigerkralle eingesetzt, um den Gegner entweder mit den typischen stoßenden oder reißenden Bewegungen des Tigers zu überwältigen, oder ihn mit Fesseltechniken in eine Lage zu bringen, in der er hilflos ist.

Der Drachenstil verkörpert Flexibilität. Die Drachentechniken sind weich, schnell und kraftvoll. Jedoch handelt es sich dabei um eine peitschende Kraft. Beim Üben des Drachenstils müssen die fünf internen Kräfte (Geist – Entschlusskraft – Courage – Energie – Stärke) mit den fünf externen Kräften (Augen – Gedächtnis – Hände – Hüfte – Stand) verbunden werden, wodurch man die Kontrolle über Körper und Geist erhält. Drachentechniken sind runde Bewegungen, die in schneller Folge (Kettentechniken) ausgeführt werden. Anders als der Tiger geht der Drache den Angreifer nicht direkt an, sondern gelangt durch eine zickzackartige Schrittarbeit in dessen ungeschützte Seite um dort seine Techniken anzubringen. Der Körper ist bei der Ausführung der Bewegungen entspannt. Die Ellenbogen werden nahe am Körper gehalten.

Durch das Fu Lung Pai lernt der Ausübende seinen Körper als Einheit zu bewegen und die Bewegungen nach bestimmten Prinzipien auszurichten. Alle Bewegungen sind in harmonischer Übereinstimmung. Daraus resultiert die Lebendigkeit des Fu Lung Pai. Beim Shaolin Kung-Fu verfolgt man konsequent die Idee der Vereinigung des Körpers mit dem Geist. Das Ziel des Übens besteht darin, eine starke Persönlichkeit zu schaffen, einen ausdauerfähigen Menschen, der es versteht die inneren Kräfte seines Körpers bewusst zu steuern und zu nutzen. Nach langjährigem Üben gewinnt der Schüler Einblick in die Bedeutung des Lebens und dessen Gesetzmäßigkeiten. Diese Erfahrungen werden ebenfalls im Unterbewusstsein gespeichert. Sie verändern die innere Haltung und werden ab diesem Zeitpunkt intuitiv auf alle Situationen angewendet. Somit ist das in den Vordergrund gedrängte egoorientierte Bewusstsein, das sich hemmend auf diese Entwicklung auswirkt, ausgeschaltet. Dieser Gewinn an mentaler Stärke ist absolut höher zu bewerten als die besten Angriffstechniken. Denn wer über eine starke positive mentale Kraft verfügt, bietet keinen Ansatzpunkt mehr für Aggressionen jeglicher Art. Dies ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Lebensführung.

Der Anfänger lernt als Erstes verschiedene Schritt-, Koordinations- und Gefühlsübungen, sowie die ersten Handformen. Von Anfang an werden viele Techniken mit einem Partner geübt, um deren Anwendung zu trainieren und eventuell vorhandene Hemmungen abzubauen. Ist die Basis geschaffen, werden Waffenformen und Chi Kung unterrichtet. Im Fu Lung Pai gibt es auch Übungen am Mook Chong (Holzpuppe). Die Fu Lung Pai Holzpuppenform ist in drei Ebenen eingeteilt, nämlich Himmel, Erde und Mensch.

© Werner Horn
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