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Kampftraining

im Kung-Fu



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Für jeden ernsthaft Kung-Fu Trainierenden, egal ob in einem der inneren oder äußeren Stile - ob Nord oder Süd - ob traditionell oder modern, sollte das Kampftraining irgendwann einen Großteil seines Trainings einnehmen. Kung-Fu, Wushu oder Chinese Martial Arts sind Begriffe für das Erlernen der chinesischen Kunst zu kämpfen. Nichts anderes.

Viel zu oft Tritt dieser Punkt in den Hintergrund und die Gründe würden sicherlich einen weiteren Artikel bilden können. Auch sind oftmals die Vorstellungen vom Kampf zum Teil sehr vage oder schlicht illusorisch. Niemand wird jemals durch das bloße Erlernen von Formen oder Trainieren von Qi Gong unbesiegbar. Es ist daher unumgänglich, den Kampf durch umfangreiche Trainingsmethoden zu erlernen und letztendlich genau das immer wieder zu tun, was man beherrschen will: Kämpfen! Dabei ist für kontinuierliche Fortschritte in möglichst kurzer Zeit eine Einführung in das weite Gebiet des Kampfes und in seine Prinzipien unumgänglich.

Basiseigenschaften:
Aus meiner Sicht ist es wichtig erst mal bestimmte Basiseigenschaften für den Kampf zu entwickeln. Damit meine ich weniger Kraft, Kondition, Beweglichkeit und Schnelligkeit, sondern Fertigkeiten, die das Verhalten im Kampf bestimmen. Diese Basiseigenschaften oder Grundlagen gliedern sich wie folgt:

Routineverhalten:
Der wohl wesentlichste Faktor innerhalb der Hinführung zur Selbstverteidigung. Routineverhalten wird ausgelöst, wenn dem Handelnden eine Situation bekannt vorkommt, und er sie schon häufiger erfolgreich bestanden hat.

Distanzgefühl:
Die Fähigkeit, für verschiedene Aktionen die richtige Distanz gewählt zu haben und im Verlauf eines Kampfes, eine sichere Distanz halten zu können.

Ökonomische Bewegungen:
Aufbau und Verbesserung von Automatismen, in einer Krisensituation den kürzesten Weg zu nutzen, d. h. keine unnötigen Bewegungen, Abwehr und Angriff in kombinierten Bewegungen. Timing, Optimierung der Fähigkeit, im richtigen Moment eine Aktion auszuführen.

Richtiger Blick:
Schulung des Blickes, sodass man sein Gegenüber kontrollieren kann und in jeder Situation richtig einschätzt.

Reflexverhalten:
Die Reaktionszeit zwischen Aktion und Reaktion minimieren.

Emotionale Kontrolle:
Sowohl körperliche als auch geistige Kontrolle während der gesamten Zeit des Kampfes behalten.

Um Techniken aus dem jeweiligen Repertoire des ausgeübten Stiles zu beherrschen, ist ein ständiges Üben von Partnertechniken, Anwendungen und kurzen Kampftechnikblöcken notwendig. Erst langsam, dann stetig schneller und schließlich in freier Bewegung. Diese Vorbereitung schult die eben genannten Basiseigenschaften des Kampfes. Die emotionale Kontrolle lässt sich eigentlich bei jeder wettkampfähnlichen Partnerübung trainieren. Hierzu sind sowohl Aufwärmspiele mit Partner, als auch Partnerübungen wie Chi Sao, Pushhands etc. geeignet. Intensiver jedoch werden alle Punkte in verschiedenen Arten des freien Kampftrainings geübt und erlernt.

Arten des Kampftrainings:
Es gibt viele verschiedene Arten des Freikampfes. Ich will hier, in der Reihenfolge in der sie mir für Schüler sinnvoll erscheinen, einige von mir praktizierte Arten nennen:

Punktstop - Leichtkontakt:
Hier wird mittels Leichtkontakt der erste Gehversuch im Freikampf gemacht. Die Techniken sollen mit Übersicht und Kontrolle unter Verzicht von Kraft und Härte ausgeführt werden. Nach jedem gültigen Treffer wird der Kampf unterbrochen, um eine unübersichtliche Kampfsituation zu vermeiden. Hier werden erstmals die oben genannten wichtigen Basisfähigkeiten (Timing, Distanz, emotionale Kontrolle ... ) trainiert! Fehlt die Basis wird die Kunst zu kämpfen nie vollständig und erfolgreich erlernt werden können!

Durchkämpfen - Leichtkontakt:
Hier wird nach einem Treffer nicht mehr gestoppt und die Möglichkeit Konter und Folgetechniken zu üben ermöglicht. Unterbrochen wird nur noch bei unkontrollierten Kampfsituation oder wenn ein Kämpfer klar die Situation dominiert.

Semikontakt:
Hier wird mit mehr Druck und Kraft gekämpft. Im Vordergrund steht immer noch die technisch einwandfreie Ausführung der Techniken. Der Kampf wird ebenfalls nur in unkontrollierten Situationen unterbrochen. Der Semikontaktkampf schult die Fähigkeiten zu kontern, Technikserien auszuführen, Take Downs zu setzen oder diese kontern zu können.

Vollkontakt:
Obwohl für einige der Unterschied zum Semikontakt nicht klar ist, gibt es ihn! Im Vollkontakt zählen nur Techniken, die mit Kraft und Präzision beim Gegner eine Wirkung zeigen. Techniken, die technisch einwandfrei ausgeführt werden, aber keine sichtbare Wirkung (z. B. Zurückweichen, Abbruch einer Aktion, zu Boden gehen etc.) beim Gegner zeigen, zählen nicht. Hier wird erstmals klar, wie schwierig es ist Techniken mit voller Kraft auszuführen, ohne an Geschwindigkeit und Genauigkeit zu verlieren!

Für alle diese Kampfsituationen ist Schutzausrüstung sinnvoll. Sie kann variieren, sollte aber nie ganz fehlen, da die Kämpfer durch die Angst vor Verletzungen (bei sich oder dem anderen) nur gehemmt agieren.

Freier Kampf:
Der Kampf ohne Schützer, mit Einsatz aller stilspezifischen Techniken und ohne Regeln sollte immer den weit fortgeschrittenen Schülern vorbehalten sein. Es ist für mich klar, dass diese Art zu kämpfen erst dann ausgeübt werden kann, wenn die hier beschriebene Basis des Kampfes erlernt worden ist.

All dieses kann ein Lehrer nur dann in seinem Sinne dem Schüler vermitteln, wenn er nicht nur gute Anweisungen geben kann und die Kampffähigkeiten analysiert, sondern wenn er vor allem das mit ihm tut, was der Schüler erlernen soll: Kämpfen!

© Jochen Wolfgramm
Bailung Osnabrück / VFCK



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