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Kräfte im Taijiquan



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Vieles meist Widersprüchliches ist geschrieben worden über die 8 "Handtechniken" und 5 "Beintechniken" des Taijiquan in der Form und im Tuishou (Push Hands). Erstere sind den 8 Trigrammen des Yijing zugeordnet und stellen deren Umsetzung auf der Ebene der Kampfkunst dar. Dass dies nicht auf den Einsatz der Arme oder Beine beschränkt werden kann, ist offensichtlich. Letztere folgen den Wuxing, den 5 Wandlungsphasen bzw. Elementen des Daoismus, wie sie sich auch in der chinesischen Medizin ausdrücken. Zusammen bilden sie die 13 Grundprinzipien des Taijiquan.

Um diese und andere Prinzipien auf der praktischen Ebene zu üben, wurde ein komplexes System von Partnerübungen entwickelt - das Tuishou (Push Hands). Die häufige Übersetzung als schiebende oder klebende Hände beleuchtet nur einen Aspekt. Die erste Ebene stellt das Dan-Tuishou (Fixed-Step) im Stehen dar. Daraus resultiert das Huobu- und das Dalü-Tuishou mit Schrittkombinationen und Handwechsel und daraus wiederum das Dingbu-Tuishou, der Taijiquan-Ringkampf. Das höchste Tuishou ist das Luan Cai Hua ("es können alle Blüten gepflückt werden"), der freie Kampf ohne Regeln. Hier trennt sich meist die Spreu vom Weizen.

Um die Anwendung der 8 Kräfte geht es in diesem Artikel
Taiji ist der Name für das daoistische Prinzip des Wandels von Yin und Yang. Quan bedeutet Faust und steht meist hinter den Namen der verschiedenen chinesischen Kampfkünste. (Eine Ausnahme ist das Bagua Zhang. Zhang bedeutet Handfläche, was die typische Kampfweise dieses Stiles charakterisiert.) Im Taijiquan übe ich die Prinzipien von Yin und Yang und die 5 Wandlungsphasen auf der Ebene der körperlichen Auseinandersetzung, um Geist und Körper zu öffnen und zu entfalten. Dies beinhaltet neben der positiven Wirkung auf die Gesundheit und dem effizienten Training der Selbstverteidigung (zumindest bei einem kompetenten Lehrer) auch einen harten spirituellen Weg. Hier in Kürze die 8 Kräfte des Taijiquan mit ihren Entsprechungen zu den 8 Kräften des Yijing:

Peng - Himmel
Lü - Erde
Ji - Wasser
An - Feuer
Cai - Wind
Lie - Sumpf
Zhou - Donner
Kao - Berg

Peng (Himmel) bedeutet Halten. Ob ich z. B. einen Apfel auf der Handfläche nach oben oder nach unten halte, ist unwesentlich. In der Anwendung bedeutet dies, dass ich meine Struktur als Ganzes halte. Wenn mein Gegenüber drückt, kann ich die Kraft durch eine Rotation umlenken, aber ich halte meine Struktur. Nimmt er den Druck weg, falle ich nicht hinterher, sondern halte ebenfalls meine Struktur, ob ich ihm folge oder nicht. Ein Ball ist rund und hat eine Grundspannung. Er explodiert nicht, ebenso wenig wie er implodiert. Kräfte von außen werden durch eine Rotation umgeleitet und stören nicht das Zentrum. Genauso rund mit leichter Grundspannung und gleichzeitiger Entspannung hält man die Struktur im Taijiquan. Dies wird umgesetzt durch die 3 äußeren Harmonien, Wai San He (Hand und Fuß, Ellbogen und Knie, Schulter und Hüfte) und die 3 inneren Harmonien, Nei San He (Herz und Geist, Geist und Qi, Qi und Li, äußere Kraft). Ohne Peng gibt es kein Taijiquan und auch keine anderen Kräfte. Der Himmel bedeckt alles.

Lü (Erde) bedeutet Aufnehmen, so wie die Erde den Regen aufnimmt. Meist wird es mit Zurückrollen übersetzt, was auf die häufigste Anwendung dieses Prinzips hindeutet: umleiten durch Rotation in Kraftrichtung (nach hinten).

Ji, das Wasser sucht sich seinen Weg und strömt unaufhaltsam nach vorn. Das (schlechte) Qi wird nach außen gestoßen (Fajin).

An, das Feuer ist gewalttätig und verhindert ein Durchkommen. Die Bewegung und Struktur des Gegners wird im Ansatz erstickt und an ihrer Entfaltung gehindert.

Cai, der Wind pflückt alle Blüten. Die Umsetzung ist meist ein rotierender Hebel, der den Gegner nach unten führt, so wie man auch den Stiel mancher Blüten drehen muss, bevor man sie abreißen kann.

Lie, der Sumpf blockiert den Körper und verhindert ein Ausweichen. Die Umsetzung ist ein Teilen der Kräfte auf zwei parallelen Ebenen in entgegengesetzter Richtung.

Zhou, der Donner als Ellbogenschlag erschüttert die gesamte Struktur. Entsprechend der chinesischen Redeweise: "Gei Ta Yi Zhou!" "Hau ihn um!" ("Gib ihm ein Zhou!")

Kao, dem Schulterstoß, kann man schwer ausweichen, ebenso schwer wie einem Berg in Bewegung.

© Mario Pestel
Taiji Berlin



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