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Taijiquan als Kampfkunst



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Fragt man die meisten Menschen nach Taijiquan (gesprochen Tai Dschi Tchüän), hört man meistens: "Häh? Was ist das?" und Sekunden später: "Ach du meinst Tai Tschih"! (basierend auf der Wade-Giles-Umschrift "Tai Chi"). Anschließend folgen Kommentare: "Das ist doch das, was die alten Leute morgens im Park machen". "Diese langsamen Bewegungen" . "Das ist doch gut zur Entspannung und Gesundheit". "Dabei kann man gut abschalten". "Aber zum Kämpfen? – Da lerne ich lieber eine richtige Kampfkunst! So was wie Karate oder Thaiboxen"!

Mit solchen Vorurteilen wird wohl jeder konfrontiert, der authentisches Taijiquan als Kampfkunst betreibt. Nicht zu unrecht, haben sich doch spätere Richtungen und Lehrer insbesondere in Europa zunehmend von ihren umfassenden Wurzeln in eine einseitige Ausrichtung entwickelt, bei der es hauptsächlich um Wellness und Entspannung geht. Aber kann man sich dem Licht widmen, ohne sich dem Schatten zu stellen?

Wenn man die Geschichte betrachtet, muss man zunächst einmal unterscheiden zwischen Taiji und Taijiquan. Der Begriff Taiji ("der oberste Dachbalken eines Hauses") ist wohl über 2000 Jahre alt. Geprägt durch den Daoismus meint er die Balance von Yin und Yang als höchstes Prinzip. Das Gleichgewicht ist nicht statisch, sondern fließend, es befindet sich im ewigen Wandel. Die absolute Balance von Yin und Yang permanent aufrechtzuerhalten ist mehr als spiritueller Weg zu verstehen, statt als Zustand, der einem Menschen in seinem Leben kontinuierlich möglich wäre. Taijiquan (sprich: tchüän, Faust) symbolisiert und übt dieses Prinzip als Kampfkunst: schnell und langsam, öffnen und schließen, steigen und sinken...

Über die Entstehung dieser Kunst gibt es viele Geschichten und Legenden - von einem Bibliothekar aus dem Shaolin Tempel bis hin zum daoistischen Alchemisten Zhang San Feng, der vom Kampf zwischen einem Kranich und einer Schlange träumte und schließlich Chen Bo (14. Jh. 1.Generation Chen-Familie). Letzterer, der als Kampfkünstler sehr bekannt war, ließ sich mit seinem Clan schließlich im heutigen Chenjiagou nieder und befreite es innerhalb kurzer Zeit von Räuberbanden.

Der Ming General Chen Wang Ting (17. Jh. 9. Generation), als Kampfkunstexperte und Literat gleichermaßen bekannt, kehrte mit dem Fall der Ming-Dynastie 1644 wieder nach Chenjiagou zurück, um sich der persönlichen Entwicklung und seiner Familie zu widmen. In dieser Zeit schuf er das Taijiquan, bei welchem ihm sein Familienstil, Qi Jiguangs "Buch des Boxkampfes", die chinesische Medizin und Philosophie als Grundlagen dienten. Diese Kunst beinhaltet nicht nur das Training wirkungsvoller Kampftechniken, sondern auch die Kultivierung der Lebensenergie sowie des Verständnisses vom Wechselspiel der Pole und Elemente. Das Äußere dient dabei insbesondere bei Partnerübungen als Spiegel für das Innere. Man entwickelt intelligente Kraft und Verständnis statt roher Gewalt. Taijiquan lehrt das Loslassen ebenso wie das Aufbauen, im Kampf und auf der persönlichen Ebene. Chen Wang Ting entwickelte dabei eine Form aus 108 Bewegungen, die Pao Chui (Kanonenfaust, da viele explosive Bewegungen), Waffenformen sowie das Tuishou (Push Hands, schiebende Hände).

Chen Changxing (1771-1853, 14. Generation) entwickelte die Formen weiter, wobei er die 108 Bewegungen durch das Weglassen von Wiederholungen auf 75 kürzte und diese Laojia Yilu (alter Stil, erste Form) und die Pao Chui in Laojia Erlu (a. S., zweite Form) nannte.

Ein Schüler von ihm, namens Yang Luchan, unterrichtete als Erster öffentlich diese Kampfkunst auch am Kaiserhof in Beijing. U. a. um das Lernen leichter zu machen, vereinfachte er die Formen, welche heute als Yang-Stil bezeichnet werden. Aus diesem und aus dem Chen-Stil direkt sind später weitere Stile entstanden, so z. B. Sun, die zwei Wu-Stile (gleiche Silbe, unterschiedliche Betonung und Schriftzeichen), Li und Fu.

© Mario Pestel
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