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Wing Chun Holzpuppe -

Meisterin der Meister



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Die Holzpuppe des Wing Chun heißt im chinesischen "Mook Jan Chong". Übersetzt bedeutet das "Holz-Mann-Pfosten". Eine der Legenden, die ich in Bezug auf die Entstehung dieses Trainingsgerätes und der dazugehörigen Form im Laufe der Jahre zu Ohren bekommen habe, ist Folgende:

Im alten Shaolinkloster existierte eine Halle, bzw. ein langer Gang, in dem 108 Holzpuppen aufgestellt waren. Jeder Mönch hatte an diesen Holzpuppen eine Art Prüfung abzulegen, bevor er das Kloster verlies. An jeder einzelnen Puppe hatte er eine bestimmte Übung zu zeigen, die sicherstellen sollte, dass er seine Kunst beherrschte. Nach der Zerstörung durch die Manchus, verließ die Nonne Ng Mui mit dem gesammelten Wissen der großen Meister das Kloster und entwickelte zu Ehren der alten Tradition eine Holzpuppenform, die in Erinnerung an die Halle aus 108 Bewegungen bestand. Ob diese Legende in Teilen der Wahrheit entspricht, oder ob diese Geschichte frei erfunden wurde, ist eigentlich nicht von Bedeutung. Unumstritten bleibt die Tatsache, dass das Training an der Holzpuppe für jeden Wing Chun Studenten von großem Wert ist. Die Holzpuppe wie wir sie heute kennen, wurde in Hongkong entwickelt. Der letzte Großmeister Yip Man brachte keine Puppe aus der Provinz Foshan in China mit nach Hongkong. Die erste Holzpuppe, die als Prototyp aller heutigen Wing Chun Holzpuppen bezeichnet werden kann, wurde im Haus einer seiner Schüler gebaut. Die heute in den verschiedenen Wing Chun Stilen unterschiedlicher Schüler Yip Man´s praktizierte Holzpuppenform ist eine Weiterentwicklung der ursprünglich von Yip Man praktizierten Form. Einige Schüler entwickelten die Form weiter oder fügten Sätze ein, da einige Sätze der Form früher nur auf einer Seite praktiziert wurden. So kommt es heute zu Differenzen bei der Anzahl der durchgeführten Bewegungen, die zwischen 108 und 116 Bewegungen liegen.

Das Training an der Holzpuppe beinhaltet zudem nicht nur das Praktizieren der gesamten Form als Einheit. Verschiedene Möglichkeiten das Training zu intensivieren oder zu variieren sollen nun kurz aufgeführt werden:

Am Anfang steht das stetige Training der Techniken (Schritt und Handtechniken) an der Puppe. Dies fördert die Augen-Hand-Koordination des Trainierenden, sein Gleichgewichtsgefühl und sein Gefühl für Distanzen. Als Nächstes folgt das Trainieren der Techniken mit einem Partner. Dies hilft, die Techniken im realen Kampf anzuwenden und an lebenden Personen umzusetzen (Sifu Wang Kiu bezeichnet dies als "Living Dummy"). Als dritte Trainingsmethode kann das Praktizieren der Form in der Luft aufgeführt werden. Dieses Training zielt ebenfalls darauf ab, das Gleichgewicht und die Koordination des Schülers zu fördern und ermöglicht zudem ein Training ohne Puppe an jedem Ort. Hierbei kann man eine Linie oder einen Stock zum Fixieren eines Punktes als Hilfe benutzen (zeigt den Standort des "Gegners"). Die Holzpuppe ist ein Trainingsgerät, das nicht erst nach dem Beenden der dritten Form (Biu Tze) eingesetzt werden kann. Viele Techniken der ersten Form (Siu Lim Tao) lassen sich bereits an der Holzpuppe trainieren und helfen dem Schüler, seine Winkel und Positionen zu korrigieren und zu verbessern. Die Holzpuppe zeigt hier bereits ihren Nutzen. Sie hilft dem Trainierenden, Bewegungen zu erlernen und durch stetiges Training seine Techniken richtig auszuführen. Dies dürfte der Grund dafür sein, dass die ersten 60 Bewegungen der Holzpuppenform aus der Siu Lim Tao und Cham Kiu, also aus der ersten und zweiten Form, stammen.



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Wing Chun Trainer oder Lehrer können ihren Schülern auf diesem Weg Hilfestellungen beim Training geben und Aufgaben stellen, die der Trainierende durch konstantes Üben selbst bewältigen kann. Man kann also die Holzpuppe auch freundlich als Trainingshilfe für Schüler und Lehrer sehen. Aus diesem Grund ist die Wing Chun Holzpuppe ein wichtiger Bestandteil einer Wing Chun Schule, von dem alle Praktizierenden, egal welcher Trainingsstufe, profitieren können. Probleme bestehen allerdings gelegentlich darin, eine geeignete Holzpuppe zu erstehen oder zu bauen. Es gibt Puppen verschiedener Qualität und Eignung. Wie so oft kann man auf dem Markt Geräte erstehen, die als Wing Chun Holzpuppen bezeichnet werden, für das Training aber nicht geeignet sind. Die Holzpuppe besteht aus einem Korpus an dem zwei Arme oben und ein weiterer Arm unten, kurz oberhalb der Mitte, angebracht ist. Im unteren Bereich befindet sich ein Bein mit leicht abgewinkeltem Knie (das Bein sollte stabil sein, da es hohen Belastungen ausgesetzt ist).

Der Korpus wird mit zwei Querlatten in einer Halterung angebracht. Die Querverstrebungen erlauben der Puppe nachzugeben. Die Länge der Querverstrebungen variiert die Nachgiebigkeit der Puppe.

Der Korpus wird aus Hartholz hergestellt, um ein Reißen zu vermeiden. Er sollte nicht aus einem massiven Baumstamm hergestellt werden, sondern aus mehreren verleimten Stücken gefertigt sein. Auch dies erhöht die Haltbarkeit der Puppe. Es gibt zwar Normwerte für die Holzpuppe, die anhand der von Yip Man genutzten Puppe erstellt wurden. Die Puppe sollte jedoch in ihren Maßen möglichst an den Praktizierenden angepasst werden. Dies wird bei der Halterung bereits deutlich, da man sich vorstellen kann, dass zwei sehr unterschiedlich große Personen die Puppe aus zwei völlig unterschiedlichen Winkeln trainieren würden. In diesem Bericht kann dieses Thema allerdings nur sehr allgemein behandelt werden.

© Marc Debus
Lo Man Kam Wing Chun



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