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Ying Jow Pai -

Der Adlerklauen Stil



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Durch die Fähigkeit jeden der 108 Druckpunkte des gegnerischen Körpers mit den mächtigen "Klauen" zu Attackieren, erhält der Adlerklauen-Stilist die absolute Kontrolle über seinen Gegner

Das Adlerklauen System (Ying Jow Pai, Ying Kuen) kann zurückverfolgt werden bis zum Ende der südlichen Sung-Dynastie (ca. 1250 n. Chr.). Zu dieser Zeit trug General Ngok Fei die Befehlsgewalt über zahlreiche Soldaten, deren Aufgabe in der Verteidigung des Landes bestand. Er unterrichtete seine Soldaten in den Kampftechniken, die er selbst von einem Shaolin Mönch namens Jow Tong erlernt hatte. Der Ruhm und die Erfolge, die General Ngok Fei mit seiner Truppe erzielen konnte, wurden bis weit außerhalb des Landes bekannt.

Die 108 Kampftechniken
Die Kampftechniken, die General Ngok Fei unterrichtete, waren bekannt als die "108 Kampftechniken" und bestanden aus einem einfachen System aus Handtechniken, die Ngok Fei verfeinert und perfektioniert hatte. Bestehend aus einfachen Block- und Schlagtechniken bis hin zu komplizierten Greiftechniken liegt der Schwerpunkt dieser Kampfkunst im Gebrauch von Greifen, Ziehen und dem Drücken von speziellen Nervenpunkten des Körpers. Nach dem Tode von Ngok Fei (über dessen Todesart, ob Mord oder Selbstmord, gibt es nur Spekulationen) verließen seine Soldaten die Armee und praktizierten die 108 Kampftechniken auf ihren Wanderungen und verbreiteten es so in allen Teilen Chinas. Einige traten in die Klöster ein und wurden Mönche. So kehrte diese Kampfkunst zu seinem Ursprung zurück und überlebte das 13. Jahrhundert

Das System erlebt einen Wandel
Im Shaolin-Kloster wurde es weiter praktiziert und wurde von Generation zu Generation erfolgreich weitergegeben bis das System während der Ming-Dynastie (1368 - 1644) einem Wandel unterlag. Zu dieser Zeit wurde das Adlerklauen-System, welches bis dahin nur aus den 108 Kampftechniken bestand, dem Mönch Lai Chin offenbart. Lai Chin war damals als einer der größten Meister des Faan Tzi Systems bekannt. Er kombinierte beide Stile in der Art und Weise, dass er den einen Stil mit dem anderen ergänzte und somit zu einem einheitlichen effektvollen Kampfsystem wurde. Er verbrachte Jahre mit dem Studium der 108 Kampftechniken bis zum Meistergrad. Danach suchte Lai Chin nach den wichtigsten Gemeinsamkeiten beider Stile und fasste sie zu einem zusammen, stärker und effektvoller als jemals eines allein nur sein könnte. Lai Chin's Versuche waren sehr erfolgreich und von da ab nannte sich dieses System Faan Tzi Ying Jow Pai. Lai Chin war eine der prominentesten Gestalten in der Geschichte des Adlerklauensystems. Seine Entwicklung des Faan Tzi Ying Jow Pai wurde auch Nördlicher Adlerklauen-Stil genannt. Bis zum heutigen Tage wird dieses System noch nahezu unverändert praktiziert.

Von Generation zu Generation
In seiner langjährigen Geschichte von der Entwicklung bis heute brachte das Faan Tzi Jing Jow Pai zahlreiche Berühmtheiten hervor wie z.B. Toa Gai, zu dem sich der nachfolgende Stammbaum erstmals in direkter Linie zurückverfolgen lässt. Von Toa Gai, der als erster großer Meister des Adlerklauenstils schriftlich festgehalten wurde, wurde das System weitergegeben an Far Shing, der in der Nähe von Peking in Ho Bac unterrichtete, von Far Shing zu Lau Shu Chun. In dessen Familie wurde der Kampfstil wie ein Schatz gehütet und nur an Familienmitglieder weitergegeben. Lau Shu Chun übte sich im Adlerklauenstil mehr als sein halbes Leben und wurde ein berühmter Kung-Fu Meister in Nord-China. Durch seine Vorliebe für den Langstock erhielt Lau Shun Chun den Spitzname "Dai Gon Gee Lau" oder der "Magie Stick Lau". Lau Shu Chun gab seine Kampfkunst an seinen Neffen Lau Shing Yuo weiter, der wiederum unterrichtete seinen dritten Sohn Lau Kai Man und den Sohn seiner Schwester Chan Tzi Ching. Chan Tzi Chin wurde einer der bekanntesten Adlerklauenmeister überhaupt. Während seiner Kämpfe gebrauchte er nie mehr als drei Techniken seines Kampfstils, um seine Gegner zu besiegen. Er kämpfte ebenso erfolgreich auch außerhalb Chinas. Seine Stärke, die ebenso unbeschreiblich war, hatte er so entwickelt, dass er seine gesamte Kraft in einen "three inch punch" legen konnte.

Die Gründung der Ching Mo Association
Während seiner Lehrtätigkeit wurde Chan Tzi Ching von einem anderen Kung-Fu Meister (Fawk Yun Gop) eingeladen und aufgefordert, gemeinsam eine Kung-Fu Association aufzubauen. Dies war der Beginn der Ching Mo Association. Chang Tzi eröffnete dann in Shanghai die erste Ching Mo Schule und hatte bald mehr Schüler als er alleine unterrichten konnte. Zu seiner Unterstützung suchte er sich einige Studenten von Lau Kai Man aus. Diese Studenten wurden dann zuerst selbst in den 10 Basis Ching Mo Formen unterrichtet. Einige Jahre später (inzwischen 1924) wurden zwei weitere Ching Mo Schulen gegründet, eine unter der Leitung von Chan Tzi Ching in Hongkong und die andere unter der Leitung von Lau Fat Man in Fat Sen. Unter den Schülern von Lau Fat Man befand sich auch Ng Wai Nung, der selbst als großer Adlerklauen-Meister bekannt wurde und auf Einladung der Singapur Ching Mo Association in Singapur sowohl Nördliches Kung-Fu wie auch Taiji unterrichtete. Er wurde der erste Lehrer, der in Singapur Wu Style Taiji lehrte. Nach einiger Zeit kehrte Ng Wai Nung nach Hongkong zurück zu seiner Schule, die er in der Obhut seiner zwei Assistenten Shum Man Lock und Leung Shum gelassen hatte. Shum Leung selbst hatte mit 8 Jahren begonnen, sowohl den Adlerklauen-Stil als auch Wu Style Taiji bis zum Meistertitel zu erlernen. 1972 verließ Shum Leung Hongkong und wanderte nach Amerika aus, um dort den Adlerklauen-Stil zu verbreiten. Er eröffnete eine Schule in New York und ist bis heute noch einer der bekanntesten Adlerklauen-Meister und Schiedsrichter bei Meisterschaften. Seinen Adlerklauen-Stil stellte er schon bei zahlreichen Demonstrationen in ganz Amerika vor. Der direkte Erbe von Ng Wai Nung ist jedoch sein Sohn Ng Kwan Pok. Er unterrichtet heute sehr erfolgreich in Hongkong und erfreut sich dort großer Bekanntheit.

Die Techniken des Adlerklauen - Stils
Die Techniken des Adlerklauen-Stils wurden den Bewegungen des Adlers nachempfunden: kraftvolle Klauen, schnelle Augen, harmonischen Körperbewegungen und vielseitige Anwendungen. Die Schrittfolgen gleichen einem leichtfüßigen Vogel, die Kraft ist stets kontrolliert und kommt aus dem ganzen Körper, die geballte Kraft der Faust konzentriert sich auf einen bestimmten Punkt, die Atmung ist natürlich. Das Ziel des Adlerklauen-Stils ist nicht das Töten oder Verstümmeln, sondern das Fangen und Kontrollieren des Feindes. Das komplette System ist in 108 Techniken zusammengefasst, 36 davon sind geheime Dim Mak (tödliche) Angriffsdruckpunkte. Die anderen 72 Techniken sind ebenso Druckpunkte (ähnlich den Akupunkturpunkten), die den Gegner jedoch nicht tödlich treffen, sondern ihn außer Gefecht setzen, seine Bewegungen kontrollieren, ihm vorübergehend Schmerz zufügen oder ebenso vorübergehend lähmen und damit kampfunfähig machen können. Die Adlerklaue kann beim Gegner am ganzen Körper effektvoll eingesetzt werden. Die relativ geringe Auftrefffläche mit den Fingern oder Fingerspitzen erzielt mit ihrer darin voll konzentrierten Kraft größtmögliche Wirkung. Durch den Angriff auf die Druckpunkte des Gegners kann so sofort jede Schwachstelle im Körper entdeckt und zum eigenen Vorteil genutzt werden. Der Adlerklauen-Stil beinhaltet den Einsatz der Faust, der Klaue, der Imitation eines Kranichschnabels und der mit geschlossenen Finger nach oben gerichteten Hand (Palm Fist) sowie drei Schwerpunkten:

1. Die Kraft der Finger
2. Die Kraft der Fingerspitzen
3. Die Kraft aus der Taille



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Eine "zur Klaue geformten Hand" kann den Gegner zwar kontrollieren, ohne die oben genannten drei Punkte ist sie jedoch nicht effektiv. Ohne Kraft in den Fingern und Fingerspitzen ist die Klauenhand schwach und der Gegner kann sich leicht aus dem Griff befreien. Ohne Kraft aus der Taille kann der Arm des Gegners nicht gedreht oder festgehalten werden.

Die Schwerpunkte des Adlerklauen-Stil

Zur Stärkung dieser drei Schwerpunkte werden gezielte Trainingsmethoden geübt wie Liegestützen auf den Fingerspitzen, das Stoßen auf Sandsäcke mit geschlossenen Fingerspitzen, das Greifen von kleinen Sandsäckchen, Halten und Hochheben eines Gegenstandes wie z. B. eine schwere Flasche mit der Klauenhand, das Ziehen und Stoßen mit einem Langstock und/oder einem Trainingspartner usw.

Bei der Anwendung des Adlerklauen-Stils gibt es 8 wichtige Merkmale zu beachten:

1. Das schlagen, treten, greifen oder drehen muss schnell und reibungslos geschehen und dem Gegner dadurch keine Chance zum Blocken und Gegenangriffgeben.

2. Die Zusammenarbeit von Augen und Ohren ermöglicht ein "Rundum-Sehen", d. h. die Reaktionen des Gegners schon vorauszusehen und vorauszuahnen, bevor dieser angreift.

3. Die Taille gleicht einer sich bewegenden Schlange, stark und gelenkig, bereit, den Techniken die nötige Kraft zu geben.

4. Die Schritte sind zugleich stark und geschmeidig. Beim Stehen so standhaft wie ein Berg, in der Bewegung leicht und fließend wie herabfallendes Wasser, die Sprünge sollen hoch und weit sein, das Landen leicht und sicher, keine Geräusche machend, das Laufen leicht und schnell.

5. Der Geist muss stets in Harmonie mit dem Körper sein, wachsam und allzeit bereit sein, die Bewegungen zu unterstützen.

6. Die Chi Kraft muss ruhig und kontrolliert sein. Die Gedanken klar und konzentriert.

7. Jede Bewegung ist kraftvoll. Die Kraft soll natürlich, sowohl weich als auch hart sein und nicht zerstörerisch.

8. Wenn die Kraft perfekt kontrolliert und eingesetzt wird, sind die Bewegungen und Techniken sauber und effektvoll.

Drunken Claw Form
Die Techniken dieser Form bestehen in den Besonderheiten des fallen, rollen, hüpfen und springen. Die Fuk Fu Kuen (Control the Tiger Fist) setzt die Chi Kraft mit ein, indem sie den Krafteinsatz kontrolliert und in rasch aufeinander folgenden Ausführungen von schnell und langsam, langsam und schnell einsetzt. Sie zählt deshalb zu den Formen, die nur den Meistern unterrichtet wurde.

Die höchste Form des Adlerklauen-Stils - die Lin Kuen
Die Lin Kuen (Connected Fist oder Lang-Form) ist die höchste Form des Adlerklauen-Stils, die dem Ausführenden ein Höchstmaß an Ausdauer und Gedächtnis abverlangt. Sie besteht aus einem 50-teiligen Satz, bei dem jeder Satz für sich selbst vom Ablauf her relativ einfach zu erlernen ist. Aber die exakte Ausführung sehr schwer zu meistern und die Geheimnisse, die darin verborgen sind, nicht einfach zu ergründen sind. Jeder Satz hat seine eigenen Techniken und seine eigenen Besonderheiten. Mit dem Einsetzen der Chi-Kraft werden die inneren fünf Organe (Lunge, Leber, Herz, Niere, Darm) in ihrer Funktion gestärkt, das Blut fließt besser, der Knochenbau wird gekräftigt und somit der gesamte Kreislauf des Körpers in Einklang gebracht. Die Lin Kuen ist die schwierigste und komplizierteste Meisterform des Adlerklauen-Stils. Sie ist die einzigste Form, die diese 108 Techniken im Gesamten enthält. Es gibt nur wenige Meister, die diese Form komplett erlernt haben.

© Evelyn Garski
German Hung Gar Association / VFCK



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