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Gun -

Der Stock im Shaolin Quan Kung-Fu



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In vielen Kampfkünsten und Kampfsportarten ist der Umgang mit den Waffen den fortgeschrittenen Schülern oder sogar den Lehrern vorbehalten – nicht so im Shaolin Quan Kung-Fu.

Das Shaolin Quan Kung-Fu wurde von den Mönchen des Shaolinklosters praktiziert, um sich gegen eventuelle Angriffe von Räubern und Dieben zu verteidigen. Solche Angriffe waren nicht selten, wenn man bedenkt, dass das Kloster einst allein in den Bergen stand und ungeheure Reichtümer beherbergte.

Für die Sicherheit des Klosters war es wichtig, dass die Mönche in kürzester Zeit lernten, effektiv zu kämpfen. Es war nicht sinnvoll, erst jahrelang Grundübungen zu lehren – von Anfang an war das reale Kämpfen Inhalt und Ziel der Ausbildung. Söldner, Diebe und Räuber waren immer auch im Besitz von Waffen und kriegerischer Ausrüstung, sodass es für die Mönche wichtig war, ihre Kampfkunst auch auf den Umgang mit verschiedenen Waffen auszuweiten. Mit einer waffenlosen Kampfkunst gegen schwer bewaffnete Angreifer zu bestehen ist nahezu unmöglich. Die Mönche des Shaolinklosters entwickelten also ein Lehrkonzept, was es ermöglicht, den Umgang mit den Waffen dem Anfänger parallel zu seiner Grundausbildung zu lehren. Dieses Lehrkonzept beruht auf den zwölf Kampfkonzepten im Umgang mit den Waffen und wurde anhand des Langstocks unterrichtet.

Der Langstock – Gun
Der Langstock ist bis heute die Hauptwaffe des Shaolin Quan Kung-Fu und wird traditionsgemäß als erste Waffe unterrichtet. Dies liegt nicht daran, dass der Langstock die einfachste Waffe ist, vielmehr war er schon immer die billigste Waffe und somit für jeden Schüler erschwinglich: Während die Klingenwaffen meist zu teuer waren, konnten sich die Shaolinschüler ihren Stock im Wald selber schneiden und für den Kampf vorbereiten. Der Langstock der Shaolin sollte mindestens vom Boden bis zur Augenbraue des Kämpfers reichen, maximal jedoch bis zur Handfläche der nach oben gestreckten Hand. Das Holz muss stabil und hart, jedoch leicht flexibel sein, um Schwingungen aufzunehmen, die sonst auf Dauer dem Handgelenk schaden. Der Stock verjüngt sich zur Spitze, sodass er präzise und schnell geführt werden kann. Die Langstöcke, die man heute erwerben kann, sind meistens aus chinesischem Wachsholz gefertigt.

Um die Qualität des Langstocks zu verbessern und ihn haltbar zu machen, muss man seine Waffe pflegen. Um die Flexibilität zu verbessern, muss man den Langstock mehrmals einölen. Das Öl muss reichlich aufgetragen werden und sollte langsam in das Holz einziehen. Dieser Vorgang sollte 2- bis 3-mal pro Jahr wiederholt werden, damit das Holz des Langstocks nicht reißt oder bricht. Um die gerade Struktur des Langstocks zu gewähren, ist es wichtig, ihn hängend zu lagern. Dazu bohrt man ein Loch quer durch das dicke Ende der Waffe und befestigt eine Schnur, sodass man ihn frei hängend an der Decke lagern kann. Somit verzieht sich die Waffe nicht und behält (trotz der wichtigen Feuchtigkeit im Inneren des Holzes) seine gerade Struktur.

Die Formen des Langstocks
In unserer Schule werden drei wesentliche Formen für den Umgang mit dem Langstock gelehrt. In der Basisstufe lernt der Shaolinschüler die Form Shaolin Duan Gun. Diese Form beinhaltet zunächst kurze Grundtechniken (Stiche, kurze Schläge) und vermittelt dem Schüler ein Gefühl für die Handhabung einer langen Waffe. Für die Mittelstufe lehrt man im Shaolin Quan Kung-Fu die Form Yin Shou Gun. Diese Form steckt voller Überraschungen und gibt dem Schüler Möglichkeiten, Fehler zu verbessern, die er im Kampf mit der Waffe macht. Er lernt, seine Waffe wieder sinnvoll einzusetzen, nachdem sie der Angreifer aus seiner Hand geschlagen hat oder die Waffe sehr kurz einzusetzen, wenn der Angreifer schon in die nahe Distanz eingedrungen ist. In der Oberstufe lehrt man die Yin Yang Gun. Eine Form voller Kraft und Dynamik, die dem Schüler nochmals ganz genau erklärt, wie man die Ganzkörperkraft auf eine Waffe umsetzt. In dieser Form ist ein ständiger Wechsel von hoch/tief, weit/nah, links/rechts und der Kämpfer ist ständig in Bewegung. Parallel zu den Grundformen kann der Schüler auch eine Partnerform Stock gegen Stock erlernen. Diese Form heißt Liu He Gun – die 6 Harmonien mit dem Langstock und erklärt dem Schüler das Prinzip der 6 Harmonien und seine Umsetzung auf die Waffen:

Die 3 äußeren Harmonien (Wai San He)
Shou Yu Lu He -
Hände und Füße harmonieren miteinander

Jian Yu Kua He -
Schulter und Hüfte harmonieren miteinander

Zhou Yu Xi He -
Ellbogen und Knie harmonieren miteinander

Die 3 inneren Harmonien (Nei San He)
Xin Yu Yi He -
Herz harmoniert mit Geist

Yi Yu Qi He -
Geist harmoniert mit innerer Energie

Qi Yu Li He -
innere Energie harmoniert mit äußerer Kraft

Diese Harmonien sind äußerst wichtig für das ganze Shaolin Quan Kung-Fu und geben dem Kämpfer sowohl körperlich als auch mental die richtige Struktur. Gerade beim Umgang und Kampf mit Waffen ist dies sehr wichtig, denn Fehler ziehen oftmals schwer wiegende Folgen nach sich.

Ist beispielsweise die Körperstruktur (Wai San He – drei äußere Harmonien) nicht korrekt, kann das Gewicht und der dazukommende Schwung des Langstocks zu Verspannungen, Zerrungen, Faserrissen oder anderen gesundheits beeinträchtigenden Verletzungen führen.

Die inneren Harmonien (Nei San He) sind wichtig, um instinktiv, aber rational zu handeln (Xin Yu Yi He) in dem man das Herz mit dem Geist harmonisiert. Gleichermaßen ist es wichtig, sein Handeln mit Chi zu füllen, um dann schließlich die äußere Kraft mit der inneren Energie Chi zu verbinden und somit die drei Faktoren Konzentration – innere Energie – äußere Kraft effektiv bis an die Spitze des Langstocks zu bringen.



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Die Kampfkonzepte des Langstocks
Die zwölf Kampfkonzepte des Langstocks lassen sich auf alle Shaolinwaffen übertragen und stellen ein klares, ganzheitliches und nahezu perfektes System des Kampfes dar.

01. zurückprallen
02. mit Kraft schlagen
03. bewegen
04. drehen oder kreisen
05. zerteilen
06. haken/ziehen
07. abwehren oder verriegeln
08. schneidend schlagen
09. stechen (stoßen mit zurückziehen)
10. zurückziehen
11. schlagen (mit zurückziehen)
12. mit Kraft stoßen

Die Kampfkonzepte bringen dem Schüler des Shaolin Quan Kung-Fu auf einfache und logische Weise die Kunst des Kampfes mit der Waffe bei, wobei besonders auf eine Lehr- und Lernstruktur geachtet wird, um das Verletzungsrisiko während des Übens möglichst gering zu halten. Dadurch ist der Unterricht mit dem Langstock auch für alle Interessenten gleichermaßen geeignet – egal ob Einsteiger oder Fortgeschrittener, Kind oder Erwachsener.

Der Umgang mit dem Langstock
Auch in heutiger Zeit ist der Umgang mit den alten Waffen im Shaolin Quan Kung-Fu von enormer Bedeutung.

Die Waffe wird in erster Linie nicht als Tötungsinstrument gesehen, sondern vielmehr als der "Lehrer", der dem Shaolin Quan Kung-Fu Praktiker Fehler in der Körperstruktur, im Timing und im Distanzspiel sofort aufzeigt und erklärt. Gerade der Langstock hilft dem Schüler, die richtigen Körperstrukturen aufzubauen, denn nur mit der richtigen Struktur des Körpers ist ein müheloses Hantieren des Langstocks mit Kraft und Dynamik möglich.

Durch die Vorteile der Waffe – große Reichweite, schnelle Bewegungen - kommt es hierbei auch besonders auf das Einhalten der richtigen Distanz und auf ein exaktes Timing an. Beachtet der Shaolin Quan Kung-Fu Praktiker jetzt auch noch die 12 Kampfkonzepte, so ist er mit seiner Waffe im Einklang und harmonisiert ganz nebenbei auch noch seine Lebensenergie nach den Konzepten des Yin und Yang und der fünf Wandlungsphasen. Die Idee des waffenlosen Kampfes wird im Shaolin Quan Kung-Fu gleichermaßen auf den Kampf mit der Waffe umgesetzt und gibt dem Schüler die Möglichkeit sich in rascher Zeit effektiv auch mit der Waffe verteidigen zu können.

© Christian Kronmüller
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