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Miao Dao -

Der Furchterregende schöne Kornblattsäbel



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Bevor China als Kaiserreich unter der Herrschaft des ersten Kaisers Qin Shi Huangdi vereint wurde, kämpften die chinesischen Krieger nur mit Schwertern, nicht mit Säbeln. Als während der frühen Han-Dynastie (206 v. Chr. - 220 n. Chr.) der Friede an den nördlichen Grenzen des Reiches häufig von Konflikten überschattet wurde, kamen erstmals auch Säbel zum Einsatz. Schnell erkannten die Chinesen die Effizienz des Säbels. In den folgenden Jahrhunderten wurde von dem chinesischen Militär hauptsächlich der Säbel verwendet. Bis in die Blütezeit der Tang-Dynastie wurde auch am Umgang mit dem Säbel gearbeitet und neue Techniken entwickelt.

Die Tang-Dynastie war das goldene Zeitalter der chinesischen Zivilisation, in der viele kleinere Königreiche ihre Abgesandten zu Ehrbekundungen an den Hof schickten, worauf der Kaiser den Vasallenkönigen viele Geschenke bescherte. Es war während der Zeit des kulturellen Austausches, als der chinesische Langsäbel (Chang Dao) seinen Weg in das Königreich von Japan fand. Nach dem Fall der Tang Dynastie wurde die chinesische Gesellschaft mehr und mehr friedlicher, während die Japaner ihre Art des Krieges bewahrten. Weil der Gebrauch des langen Säbels langsam aus China verschwand, akzeptierten und integrierten die Japaner diese Waffe völlig in ihre Kultur und dies führte letztendlich zu der Entwicklung des Nodachi-Katana.

Der Chang Dao (Langsäbel) war Jahrhunderte vom chinesischem Festland verschwunden, bis diese furchterregende Waffe Mitte des 16. Jahrhunderts wieder auftauchte und in der Hand von japanischen Piraten zurück in sein Ursprungsland fand. Zu dieser Zeit wurde Japan von einer Reihe von Bürgerkriegen zwischen den einzelnen Kriegsherren erschüttert. Viele der besiegten Samurai und der verarmten Arbeiter und Farmer wendeten sich der Piraterie zu. Sie besetzten Inseln vor der chinesischen Küste und griffen die chinesischen Küstenstädte an. Der chinesische General Qi Jiguang erwähnte in seinen Memoiren: "Bis zu der Ankunft der Wako-Piraten war der Chang Dao unbekannt. Die Waffen unserer Truppen waren oft nutzlos gegen solche Klingen, und unsere Soldaten wurden von unseren Feinden niedergemetzelt." Anhand der vielen Kämpfe gegen die Piraten, beobachtete und studierte General Qi die Art der Fechtkunst. Anhand der Säbel der getöteten Piraten konnte General Qi Jiguang genaue Analysen über die Beschaffenheit und Form dieser Säbel erstellen. Dies führte letztendlich zur Entwicklung eigener chinesischer Langsäbel und deren Kampftechniken. Mithilfe neu aufgestellter und mit dem Langsäbel trainierter Truppen, gelang es General Qi, die japanischen Piraten zu besiegen. Diese Truppen erzielten auch später viele Siege gegen die Feinde des Ming Imperiums. Sie gingen als "die unbesiegbare Qi Armee" in die Geschichte Chinas ein. Die Krieger, die die Kunst des Chang Dao erlernt hatten, hielten sie in Ehren und gaben ihr Wissen nicht leichtfertig weiter. Dennoch konnten die einzigartigen Kampftechniken des langen Säbels über die Jahrhunderte bewahrt werden. Aber für Außenstehende blieb diese Waffe und ihre Techniken fast unbekannt.

1928 wurde die Central Guoshu Academy in Nanjing gegründet und Meister Guo Changsheng zum Hauptausbilder für Waffen ernannt. Meister Guo Changsheng (auch bekannt als Guo die Schwalbe) war ein Schüler von Pigua Tongbei Meister Liu Yuchun und erlernte die Stile Pigua, Tongbei und die seltene Kunst des Chang Dao. Um die (teilweise) japanische Herkunft zu verschleiern, wurde der Chang Dao in dieser Zeit in Miao Dao unbenannt. Es gibt zwei Erklärungen für den Namen Miao Dao:

1. "Miao" heißt wörtlich "Kornblatt" und bezieht sich auf die Form der Klinge (welche an ein "Kornblatt" erinnert). Miao Dao heißt hier soviel wie "Kornblatt Säbel".

2. Die Miao sind eine ethnische Minderheit im Südwesten Chinas, die in der Landwirtschaft ein Gerät verwenden, welches dem langen Säbel ähnelt. Daher wurde diese Waffe Miao Dao genannt.



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Die Miao Dao Form, wie sie Meister Guo von Meister Liu gelernt hatte, war die klassische Ming Dynastie Form, die von Meister Cheng Zongyou entwickelt wurde. Während seiner Lehrzeit an der Guoshu Akademie, entwickelte Meister Guo Changsheng eine andere Miao Dao Form. Diese Form ist eine Kombination der klassischen Tongbei Beinarbeit und Taillenbewegungen aus dem Pigua. Heute ist die klassische Ming Dynastie Form unter dem Namen "The First Road of the Miao Dao" bekannt. Die von Meister Guo entwickelte Form, die unter dem Namen "The second Road of the Miao Dao" bekannt ist, soll die Effizienz des Trainings mit dieser Waffe steigern. Einer der Schüler, die das Miao Dao System von Meister Guo lernten, war Meister Han Qingtang, der das System später nach Taiwan brachte, wo es bis heute erhalten geblieben ist. Dort erlernte es auch Sifu Mike Martello, der es nun in Belgien unterrichtet.

Das Miao Dao kann in Größe und Gewicht variieren, wobei die Standardversion etwa 128cm lang ist (Klinge 98cm, Griff 30cm). Wenn es um Wildheit geht, dann gibt es für das Miao Dao keinen Vergleich. Geführt mit einer oder zwei Händen, kombiniert es die typischen Eigenschaften von Säbel, Schwert und Speer. Es ist nicht schwer zu erkennen, warum diese vielseitige Waffe auf dem Schachtfeld konkurrenzlos war. Die Bewegungen des Miao Dao sind fließend, aber trotzdem kompakt, die Kraft des Körpers unterstützt die Waffe, während die Taille die Bewegung der Klinge steuert. Ein Angriff ist immer eingehüllt in eine Abwehrtechnik, wobei sich eine Abwehrbewegung sofort in einen Angriff verwandeln kann. Durch seine fließenden Bewegungen und durch seine schnelle Beinarbeit, wird der Miao Dao Kämpfer ein unberechenbarer Gegner.

Das Miao Dao, das fast in keinem anderen traditionellen Kung-Fu/Wushu Stil zu finden ist, ist ein großer Schatz in der Welt der chinesischen Kampfkünste, sowie in der chinesischen Geschichte und Kultur. Außerhalb Chinas und Taiwans ist Sifu Mike Martello einer der wenigen, die diese Waffe beherrschen und unterrichten. Regelmäßig bietet er Seminare an, auf denen diese interessante Waffe erlernt werden kann und man einen Eindruck von der ehemals mörderischen Situation auf Chinas Schlachtfeldern bekommt.

© Jochen Wolfgramm
Bailung Osnabrück / VFCK



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