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Kampfkunst und Selbstverteidigung

ein Widerspruch?



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Das Thema der Selbstverteidigung wird in Kampfkunst- und Kampfsportkreisen immer wieder heftig diskutiert. Sind Kampfkünste im Ernstfall effektiv? Worauf kommt es wirklich an? Ist ein Kampfsporttraining womöglich gefährlich, da den Übenden ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit vermittelt wird?

Das Ziel bestimmt den Weg
Der historische Werdegang der Kampfkünste und der Kampfsportarten macht deutlich, wie sehr die Entwicklung der einzelnen Stile von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt ist. Sämtliche Formen der Kampfkunst dienen dem Zweck der Selbstverteidigung. Sie wurden für die Schlacht entworfen und durch die Schlachten entwickelt. Darüber hinaus dienten und dienen Kampfkünste nicht nur der effektiven Selbstverteidigung. Viele Vertreter verschiedener Stile betonen die Spiritualität und Philosophie, welche es zu erforschen gilt. Mit der Kampfkunst können daher mehrere Ziele verfolgt werden: Selbstverteidigung, Körperstärkung, Spiritualität, Heilung etc.

Das individuelle Ziel bestimmt die Form der Kampfkunst. Dies lässt sich vor allem an den Bewegungen erkennen. In China änderten sich mit den Epochen auch die Bewegungen in den Stilen. Während kriegerischer Zeiten wurden Bewegungen geübt, die schnell, hoch und kräftig waren. In Friedensperioden änderte sich das Ziel. Es kam nicht mehr darauf an, in Schlachten zu überleben. Die Bewegungen wurden daher tiefer und langsamer. Es kristallisierte sich eine Meditation in Bewegung heraus. Nur weil das Ziel sich verändert hatte, veränderten sich die Kampfkünste.

Das Kampfkunsttraining bildet die Grundlage effektiver Selbstverteidigung, ist aber noch keine
Die Frage, die an dieser Stelle gestellt werden kann, ist jene, die nach dem gegenwärtigen Ziel der Kampfkunst fragt: „Wozu wird heute Kampfkunst unterrichtet und geübt?„ In den wenigsten Fällen werden die Bewegungen einstudiert, um tatsächlich in die Schlacht zu ziehen. Die Bedeutung des Kampfes hat sich grundlegend gewandelt. Der Kampf „Mann gegen Mann„ steht nicht mehr im Vordergrund. Der Begriff „Kampf„ auf das Wort „Auseinandersetzung„ reduziert, bezieht sich heute auf alltägliche Phänomene, bei welchen man sich behaupten muss: Stress in der Familie, Ärger auf der Arbeit, Probleme mit sich selbst, gesundheitliche Mängel etc. Der Fall der Selbstverteidigung wird in einigen Schulen zwar bedacht, aber nur selten ernsthaft geübt. Ist eine effektive Selbstverteidigung dennoch möglich? Da die Übenden der Kampfkünste dazu angehalten werden, das von Sun Tsu vorgegebene Ideal „Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft„ zu erreichen, ist die Möglichkeit einer grundlegenden Selbstverteidigung gegeben, wenn die Kampfkunst nicht auf den rein äußeren Aspekt der Techniken und Bewegungen beschränkt bleibt. Selbstverteidigung beginnt im Kopf und endet im körperlichen Ausdruck. Eine gute Einstellung in Bezug auf den Begriff „Kampf„ ist ein wesentliches Ziel in den Kampfkünsten. Konflikte sollen gemieden statt gesucht werden, Verfehlungen sollen vergeben statt nachgetragen werden und Mitmenschen soll man stärken statt sie zu schwächen. Ein Kampfkunsttraining allein scheint nicht ausreichend zu sein, um sich im Ernstfall verteidigen zu können. Die Verteidigung beginnt bereits im Alltag, denn in diesem zeigt sich, wie man mit Konflikten umgeht. Die Kampfkunst bietet hier Möglichkeiten des Selbstausdrucks und der sinnbildlichen Vermittlung von Prinzipien der Gewaltfreiheit. Aber die eigentliche Verteidigung, nämliche Konflikte aufzulösen statt zu suchen, ist ein Prozess, der im Menschen selbst stattfindet.

„Wer kämpfen lernen will, muss kämpfen„
Es kann schnell passieren, dass eine Dojo-Atmosphäre mit einer authentischen Notwehrsituation verwechselt wird. Die Gefahr der Selbstüberschätzung besteht vor allem bei den Anfängern, da hier die Fähigkeit zur Unterscheidung nur eingeschränkt ausgeprägt ist. Wettkampfsportler kämpfen ebenso wenig wie Menschen, die Chi-Sao üben oder anderen Partnerübungen nachgehen. Äußerlich gibt es Ähnlichkeiten zu Kampfsituationen, aber innerlich, nämlich auf der geistigen Ebene, herrscht ein zu großer Unterschied, der mit Technik allein nicht überwunden werden kann. Die Übenden wissen stets, dass sie in keiner echten Gefahr sind. Sie wissen, dass sie womöglich getroffen werden, aber sie wissen auch, dass spätestens dann Schluss ist. Aus dieser Sicht betrachtet, sind die regulierten Kampfkünste eine Art des „Trockenschwimmens„ für Selbstverteidigungssituationen. Das Gefühl der Sicherheit, welches bei Partnerübungen und Wettkämpfen in irgendeiner Form vorhanden ist, darf nicht in eine reelle Situation der Notwehr übertragen werden. Das Erlernen einer Kampfkunst ist ein Ausforschen verschiedener kampfähnlicher Situationen. Man lernt über einzelne Situationen das Ganze zu begreifen. Das Ziel der Kampfkünste ist ein Leben in Frieden und Harmonie. Der „Nicht-Kampf„ gilt als die höchste Form des Kampfes und sollte von allen Kampfkünstlern angestrebt werden.

© Christoph Eydt
www.christoph-eydt.de
Bildnachweis: Jutta Rotter
www.pixelio.de



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